POCKET KOLUMNE: Fund your Farmer – neu in der Region

 

‚Fund your Farmer‘ – so heißt die neue Plattform, die regionale Erzeuger und Verbraucher zusammen bringen soll. Die Idee: Online Lebensmittel shoppen und im Hofladen abholen.

Interview mit ‚Fund your Farmer‘

Da treffen junge Leute mit viel Herzblut auf regionale Bauern mit tollen Produkten: Die neue Plattform ‚Fund your Farmer‘ ist online. Grund genug, dem sympathischen Gründerteam ein paar Fragen zu stellen:

Fund your Farmer? What?!

Fund your Farmer ist eine Online-Plattform für die Region Ulm, auf der sich Verbraucher frische Lebensmittel direkt von Landwirten und Weiterverarbeitern von Lebensmitteln bestellen können.

Wir agieren dabei als Vermittlungsplattform, die Verbraucher, Landwirte und Verarbeiter zeitgemäß und transparent über das Internet miteinander vernetzt. Dadurch können wir die Wertschöpfungskette nicht nur regional halten, sondern auch deutlich verkürzen. Und weil deswegen auch nur die wirklich benötigten Teilnehmer der Wertschöpfungskette – also unsere Produzenten, wir selbst als Plattform und eben die Verbraucher – am Bestellvorgang beteiligt sind, bekommen unsere Produzenten auch ein Vielfaches der üblichen Verkaufserlöse im klassischen Einzelhandel.

Genau deswegen heißen wir übrigens auch Fund your Farmer. Das leitet sich nämlich vom englischen Wort „to fund“ ab, was wörtlich auch „jemanden (finanziell) unterstützen“ bedeutet. Und damit das auch wirklich klappt, spielen wir bewusst mit offenen Karten. Auf unserer Plattform haben wir dafür das Geschäftsmodell offen einsehbar und alle Produzenten legen ihre Verkaufspreise selbst fest.

Wo solls hingehen? Gibts weitere Pläne? (Natürlich nur, wenn ihrs verraten wollt.)

Unser Traum ist nach wie vor den Süden Deutschlands mit unserer Idee zu erobern. Aber das wird vermutlich nicht schon im Frühjahr kommenden Jahres der Fall sein, das ist uns auch ganz klar. Von daher sind die nächsten Schritte logischerweise erst mal in der Region Ulm geplant. Dazu gehören weitere Abholstationen anbieten, das Ausprobieren verschiedener Versandoptionen, eine Beschleunigung des aktuellen Bestellzyklus und hoffentlich auch mal wieder etwas mehr Freizeit nach Feierabend – die kommt momentan leider oft ein wenig zu kurz. Wobei das ja schon wieder private Pläne sind…?

Wie lange habt Ihr an der Plattform gearbeitet bis sie live ging?

Wir werkeln mittlerweile schon eine ganze Weile an Fund your Farmer. Wenn man es von den Kinderschuhen der Idee an betrachtet, stecken da mittlerweile schon fast 2,5 Jahre Zeit und unbezahlte Arbeit drin. Die reine Entwicklung und Umsetzung der Plattform waren dabei geschätzt rund 8 Monate. Wobei die aktuelle Plattform ja auch noch einen Prototyp als Vorläufer hatte und viel Feedback durch Interviews, Nutzungsstudien, Projekten mit Hochschulen & Universitäten mit in die Weiterentwicklung geflossen sind. Spontan ist es also schwer das ganz genau zu beziffern. Aber wenn man die Zeiträume sieht, dann kann man sich vermutlich schon gut vorstellen, dass so etwas nicht mal eben von heute auf morgen passiert.

Wie lief der offizielle Start?

Ehrlich gesagt verlief unser Start besser als von uns erwartet! Wir sind immer noch erstaunt, wie viele Leute gleich von Beginn an bei uns bestellt haben – obwohl am allerersten Tag außer Kreditkarte noch keine weitere Bezahlart möglich war. Aber viele unserer ersten Kunden hatten zuvor schon über Zeitung und Radio von uns erfahren und dem Start genauso wie wir selbst entgegengefiebert.

Dass bei unseren allerersten Abholtouren nicht sofort alles 100% perfekt lief, kann man an der Stelle aber auch ehrlich und offen zugeben. Das sind einfach diese Erfahrungswerte, die man erst mal sammeln muss, um den Prozess dann Stück für Stück zu optimieren. Und was uns natürlich auch wahnsinnig gefreut hat: Es gab bisher super Feedback von unseren Kunden und einige haben mittlerweile sogar schon wieder über uns bestellt. Von daher war der Start kurz und knapp gesagt: Erwartet turbulent, voller Überraschungen und wir haben es doch irgendwie am Ende des Tages geschafft.

In so einem Projekt steckt wahnsinnig viel Herzblut aber hinter so einem Projekt steckt sehr viel Arbeit. Wie sieht bei Euch die Arbeitsteilung aus? Gibt es einen der eher der Programmierer ist und einer der sich beispielsweise eher ums Marketing kümmert? Woher habt ihr den ganzen Know-How für die Umsetzung?

Das ist natürlich absolut richtig, es macht Sinn nicht alle Dinge gemeinsam zu erledigen und jeder hat bei uns auch seine eigenen Aufgabengebiete.

Marvin ist vor allem für die technische Komponente verantwortlich und arbeitet was die Online-Plattform antrifft auch viel mit externen Entwicklern und Freelancern zusammen. Je länger wir an der Plattform selbst arbeiten, desto komplexer und feinteiliger werden auch einfach die Fragestellungen. Daher machen wir hier auch nicht mehr alles selbst, sondern holen uns aus unserem Netzwerk je nach Bedarf die passende Unterstützung. Das Wissen rund um IT hat Marvin sich seit seiner Jugend selbst angeeignet und heute hilft uns sein sehr breites Verständnis zum Glück sehr viel weiter. Früher hieß es eher noch: Geh mal raus an die Luft und sitz nicht nur vor der Kiste… heute sind wir froh dieses Wissen mit an Bord zu haben.

Julian deckt bei uns den wirtschaftlichen Bereich ab und ist als Allrounder ein wenig „das Mädchen für alles“. Marketing und Netzwerken gehören dabei neben der strategischen Planung zu seinen Hauptaufgaben. Im Rahmen seines Studiums war Julian schon in mehreren Unternehmen (von Startup bis Konzern) beschäftigt und hat auch seine beiden Auslandssemester genutzt, um das Thema Startup inhaltlich weiter zu vertiefen. Auch Julian arbeitet im Rahmen seiner Tätigkeiten mit vielen Helfern von extern zusammen, damit wir die vielen Baustellen neben dem Tagesgeschäft auch parallel vorantreiben können.

Léa ist seit April diesen Jahres mit in unserem Team und kümmert sich vor allem um unseren Farmer-Blog und die Social Media Auftritte. Als ehemalige freie Redakteurin unterstützt sie uns mit informativen Beiträgen und pfiffigen Posts rund um die Themen Landwirtschaft, digitale Direktvermarktung und Ernährung.

Natürlich sind wir auch alles andere als unfehlbar und machen nicht immer auf Anhieb alle Dinge perfekt – alles andere wäre schlichtweg gelogen. Aber wir sind nach wie vor überzeugt davon etwas Zukunftsweisendes und Richtiges umzusetzen. Deswegen finden wir es auch nicht schlimm, wenn wir manche Dinge zum ersten Mal tun oder vorher noch gar nicht wissen (können) was hinterher tatsächlich passiert. Das sehen wir ehrlich gesagt ganz sportlich wie ein Startup: wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Ihr durftet sogar Google besuchen. Wie fühlt es sich an so ein cooles Start up zu sein?

Naja, streng genommen haben wir ja nur den bekannten Coworking-Space des betahaus in Berlin besuchen dürfen. Zwar auf Einladung von Google und auch mit ein paar Mitarbeitern und Mentoren von Google. Aber so voll und ganz bis ins Silicon Valley hat es dann doch noch nicht gereicht. Wir werden das tatsächlich öfters gefragt und müssen dann immer ein bisschen auf die Bremse drücken, damit wir uns nicht größer darstellen, als wir tatsächlich sind. Aber klar, es war natürlich eine total aufregende, intensive und vor allem sehr lehrreiche Zeit für uns. Wir konnten viele Tipps für uns mitnehmen und natürlich auch Kontakte knüpfen. Letzteres war vermutlich fast das wichtigste für uns als junges Unternehmen. Denn Kontakte schaden bekanntlich ja meist nur denjenigen, die sie nicht haben.

Was ratet Ihr jungen Gründern? Einfach machen oder langfristig planen und alle Szenarien absichern?

Gerade zu Beginn ist es erst mal wichtig viel auszuprobieren und darüber schnell zu Erkenntnissen zu kommen, bevor man sich an die tatsächliche Umsetzung macht. Denn selbst das perfekteste Produkt bringt nur dann wirklich was, wenn am Ende des Tages auch genügend Kunden auf der anderen Seite bereit stehen – und der Preis auch nicht völlig an den Vorstellungen der Kundschaft vorbeigeht. Kurz gesagt: einfach mal machen ist kein schlechter Ansatz, aber am besten hat man dabei einen groben Plan warum man etwas gerade tut – oder zumindest was man damit herausfinden möchte. Lieber schnell, kostengünstig und mehrfach stolpern, als auf einen Schlag alles mühsam Aufgebaute wieder zu zerstören. Klingt jetzt vielleicht erst mal etwas hart, aber wir würden jedem Neugierigen an dieser Stelle das Buch „Lean Startup“ von Eric Ries ans Herz legen. Da geht es nämlich genau um diese Vorgehensweise und man lernt sich konstruktiv mit seinen Fehlern und Erkenntnissen auseinander zu setzen.

Wie schwer war es Bauern und den Hofladen von der Idee zu überzeugen?

Das war eigentlich gar nicht so schwer, wenn man es rückwirkend betrachtet. REGIO frisch (neuer Hofladen in Pfuhl) ist sogar von selbst auf uns zugekommen und der Rest hat sich nach und nach über bestehende Kontakte und Bekannte von uns ergeben. Da unser Geschäftsmodell auf eine Win-Win-Win-Situation ausgelegt ist, kann man die Leute eigentlich auch ziemlich schnell für die Teilnahme begeistern.

Natürlich war uns von vornherein klar, dass gerade Produzenten noch nicht ganz so fit im Bereich E-Commerce und Online-Marketing sind. Deswegen haben wir einfach etwas Puffer und Bedenkzeit zwischen Erstgespräch und dem finalen Live-Schalten einplanen müssen. Und eben weil wir auch im Rahmen der Entwicklung so viel wie nur möglich mit Produzenten gesprochen haben, konnten wir aus unserer Sicht den Marktplatz so intuitiv nutzbar wie nur irgendwie möglich gestalten. Auch mit den ersten 15 Produzenten auf dem Marktplatz haben wir wichtige Erfahrungen für die Zukunft gesammelt und können mittlerweile schon ein kleines Portfolio an ‚Akquise-Unterlagen‘ zurückblicken.

Kurz zusammengefasst: auch hier gab es viele Dinge die auf Anhieb gut liefen, manche Lektionen hätten wir uns rückwirkend betrachtet auch gerne erspart. Wichtig ist, dass man schnell aus den Fehlern lernt und das tun aktuell auf jeden Fall beide Seiten – sowohl unsere Produzenten als auch wir von Fund your Farmer.

Vielen lieben Dank für das Interview an Fund your Farmer.


organicum.de

Bestellungen und weitere Informationen: www.fundyourfarmer.de

Das Team von ‚Fund your Farmer‘. Foto: Fund your Farmer

Hier werden Bestellungen abgholt: REGIOfrisch in Pfuhl

 

GOODIE FÜR VEGTASTISCH-LESER

Wer sich über diesen Link für den ‚Fund your Farmer‘-Newsletter anmeldet bekommt als Dankeschön ein Glas veganes Brotzeitgemüse geschenkt! Worauf wartet Ihr noch?!

 

Toller Start: Die ersten Bestellungen stehen zur Abholung bereit.

Tolle Qualität überzeugt! Falls sich jemand über Käse und Eier auf meinen Fotos wundert: Mein Freund ist kein Veganer. 😉

Mehr Informationen:

Fund your Farmer bei Facebook

Fund your Farmer bei Instagram

Fund your Farmer Website

Vor kurzem hat auch meine liebe Bloggerkollegin Tanja von Blaublick das Konzept von Fund your Farmer getestet und darüber berichtet. Zum Artikel…

Dieser Artikel erschien übrigens auch im POCKET Magazin für Ulm und Umgebung in der Ausgabe November 2017 im Rahmen meiner monatlichen Nachhaltigkeits-Kolumne. Im letzten Monat ging es in meiner POCKET Kolumne übrigens um meine Heimat Ulm als Fairtrade Stadt.

Vegtastische Grüße!

Sabrina

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## Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit ‚Fund your Farmer‘.

Vegtastisch

Vegtastisch

Ich heiße Sabrina und lebe in einem Häuschen bei Neu-Ulm in Bayern. Seit 2016 bin ich Mama eines kleines Bubs. Ich liebe es zu reisen - mit dem Rad, dem Auto, der Bahn. Ich schreibe über die verschiedensten Themen und versuche dabei das Thema Nachhaltigkeit immer im Fokus zu haben.
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