Erfurt – ich komme wieder, nicht nur einmal.

Schon seit Jahren möchte ich nach Leipzig für eine Städtereise und bekomme es nicht auf die Reihe. Jetzt habe ich es immerhin schon bis nach Erfurt geschafft in der vergangenen Woche. Genauer gesagt über meinen Geburtstag.

Ich war echt überrascht davon, wie hübsch Erfurt doch ist. Ich glaube Erfurt geht hinter Leipzig und Dresden in dieser Reiseecke oft unter. Komplett zu unrecht, wie ich nun sagen kann.

Stadtführung durch Erfurt

Von der Erfurt Tourismus & Marketing GmbH waren wir eingeladen an einer Stadtführung durch Erfurt teilzunehmen. Und diese war wirklich richtig schön. Stadtführungen sind eine tolle Möglichkeit sich einen Überblick zu verschaffen und viel Insiderwissen zu erhalten. Die Altstadtführung startet täglich um 14 Uhr an der Tourist Info am Benediktsplatz und dauerte 2,5 Stunden.

Die Stadtführung geht entlang der schönsten Straßen und Plätze Erfurts. Mit den Worten „ich zeige Ihnen schöne, interessante Plätze abseits der üblichen Touristenroute“ folgten wir dem Stadtführer in wunderschön restaurierte Hinterhöfe. Wir wurden auf liebevolle Details hingewiesen, auf so manche Anekdote und er klärte uns über die damals wichtige Einnahmequelle vom Waidanbau in Thüringen auf. Zum Glück hat auch das Wetter mit gespielt und ab und an kam sogar die Sonne kurz raus.

Erfurts Altstadt ist viermal so groß wie die von Leipzig (oder war es Dresden?) und wurde im 2. Weltkrieg verhältnismäßig wenig zerstört. Die vielen prächtigen Häuserfassaden blieben also erhalten.

Natürlich kamen wir auch über die 120 m lange Krämerbrücke, die beidseitig mit schmalen Fachwerkhäusern bebaut ist. Im Erdgeschoss sind kleine, sehr sehenswerte Läden untergebracht, beispielsweise ein Puppenschnitzer.

Die alte Synagoge ist mit über 900 Jahren die älteste in ganz Europa. Für meinen nächsten Besuch steht die Besichtigung auf meiner To Do Liste, ebenso wie die Museen.

Ein kurzer Abstecher erfolgte auf den Domberg, der mit seinen beiden mächtigen Kirchen längst zum Wahrzeichen der Stadt geworden ist. Absolute Hingucker rund um den Dom und im Dom sind Taufbrunnen, Chorgestühl, bunte Glasfenster, Hochaltar und und und…

Die Altstadt ist mit einem sehr guten Straßenbahnnetz ausgestattet. Dadurch, dass das Parken in der Innenstadt sehr teuer ist (teilweise kostet 1 Std. bis zu 2,50 Euro) ist relativ wenig Verkehr.

 

 

Vegan Essen in Erfurt

Total ausgehungert startete ich vor der Führung eine Suche auf meinem Handy: „vegan“. Und siehe da, nur ein paar Meter neben der Tourist Information wurden wir direkt fündig. Das „Cognito“, eine Mischung aus mexikanischer Bar und super buntem Starbucks irgendwie. Genau richtig fürs Mittagessen.

Ich bestellte einen Falafel-Burger und für meine Begleitung gab es ein leckeres Spinat-Kokos-Curry (hätte aber etwas wärmer sein dürfen). Charmant fand ich, dass das Restaurant nur mit eigenen Fotos wirbt. Sowohl auf den Plakaten im Fenster als auch bei Facebook und auf der eigenen Website gibt es viele bunte Fotos, die Hunger machen. Das „Cognito“ ist kein rein veganes Restaurant, hat aber eine schöne Auswahl für Veganer.

Karte im "Cognito"

Karte im „Cognito“

Grund genug, um auch am nächsten Morgen nochmals im „Cognito“ zu frühstücken. Für 8,90 Euro bekommt man ein veganes Frühstück mit Brot, Aufstrichen und Marmelade. Ein Kaffeegetränk und ein Stück selbstgebackener Kuchen sind auch dabei. Leider ging ein bisschen was schief und ich hatte zunächst Butter auf meinem Teller statt Marmelade. Nachdem das getauscht wurde, stellte ich fest, dass man mir einen Latte mit Kuhmilch zubereitet hat. Aber natürlich wurde dieser anstandslos in einen Soja-Latte umgetauscht. Leider waren die Kuchen geschmacklich nicht ganz mein Fall. Mein Orangenkuchen hatte eine ziemlich seltsame Konsistenz und war viel zu süß. Meine Mutter hatte einen Nusskuchen, der wohl nicht gebacken war und daher eher an eine Müslimischung erinnerte. Alles in allem war das Frühstück aber ok und ich würde wieder hin gehen.

Generell bietet das „Cognito“ sowohl Curries, Burger, Burritos, Suppen als auch Salate und Pasta-Gerichte an. Neben dem Restaurantbetrieb gibt es auch noch ein Catering.

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Eine Liste weiterer Restaurantadressen in Erfurt gibt es hier und hier

Allgemein fiel uns in Erfurt auf, dass es eher Schnellrestaurants und Imbissläden gibt wenn man vegan essen möchte. „Richtige“ Restaurants und vor allem Restaurants mit thüringerischer klassischer Küche sehen urig und gemütlich aus, bieten aber außer Salat eigentlich keine veganen Optionen. Thüringer Rostbratwurst gibt es an jeder Ecke…


 

Blick auf Erfurts Altstadt

Blick auf Erfurts Altstadt – Aufbau Weihnachtsmarkt

 

Übernachten in Erfurt

Leider gibt es in Erfurt weder ein veganes Hotel, noch ein Bio-Hotel. Wir haben uns daher für ein kleines Ferienzimmer entschieden. Für eine Nacht komplett ausreichend und ohne Verpflegung zu buchen ist für mich als Veganer zumeist sinnvoller und vor allem auch günstiger. Wir wohnten also im „Gästehaus am Spielbergtor“ und das hat wunderbar gepasst. Zwar liegt das Haus nicht direkt in der Stadt, aber es gibt kostenfreie Parkplätze direkt vor der Tür. Da wir alle Programmpunkte eh mit Auto gemacht haben, wars so für uns genau richtig. Für gerade mal 47 Euro im Doppelzimmer würde ich die Adresse auf jeden Fall empfehlen. Der Besitzer ist sehr nett und hilfsbereit. Es gibt drei Zimmer, wir waren aber komplett alleine.

Zimmer "Gästehaus am Spielbergtor"

Zimmer „Gästehaus am Spielbergtor“

Eingangsbereich "Gästehaus am Spielbergtor"

Eingangsbereich „Gästehaus am Spielbergtor“

Küche "Gästehaus am Spielbergtor"

Küche „Gästehaus am Spielbergtor“

Über Groupon gibt es aktuell tolle Übernachtungspakete für Erfurt.

St. Martin in Erfurt

Seit ich auf der Welt bin begleitet mich die Legende vom heiligen St. Martin. Da ich am 11.11. Geburtstag habe, hieß es bereits früher beim Kindergeburtstag spätestens um 16 Uhr Aufbruch zum Martinsumzug. Lange Zeit war ich als Erwachsener auf keinem dieser Umzüge mehr. In Erfurt kam ich dann aber nicht daran vorbei. Und es war richtig schön! St. Martin scheint in Erfurt einen sehr hohen Stellenwert zu haben. Der komplette Domplatz war voll mit Menschen. So viele Kids mit Laternen habe ich noch nie auf einem Haufen gesehen. Unterschied zu früher: in den Laternen befinden sich kleine LED-Lämpchen und keine echten Kerzen mehr. Um 18 Uhr gibt es einen Outdoor-Gottesdienst und alle singen gemeinsam. Und das unter der tollen Kulisse des Erfurter Doms. Die „Gloriosa“ (die Ruhmreiche) läutete auch um 18 Uhr. Sie ist die größte, frei schwingende mittelalterliche Glocke der Welt. Sie klingt dumpf aber sehr schön. Erfurt_November15 (71) Erfurt_November15 (87) Erfurt_November15 (107)

 

DEHOGA Thüringen – Ausbildung zum vegetarischen Koch

Für meine Reise nach Erfurt gab es einen Grund. Ich besuchte eine Infoveranstaltung der IHK Erfurt / DEHOGA Thüringen. Und jetzt kommts: Dort werden vegan / vegetarische Köche ausgebildet! Wahnsinn! Und ja, ich werde mitmachen! Ich bin so happy mit dieser Entscheidung! Bedeutet zwar auch für mich, dass ich im nächsten Jahr wahnsinnig viele Kilometer pendeln werde – denn ich werde natürlich nicht nach Erfurt umziehen. Die Weiterbildung dauert 3 Monate und schließt mit einem IHK-Zertifikat ab. Die Ausbildung gibt es im dritten Jahr und in dieser Zeit haben fast 20 Köche die Weiterbildung abgeschlossen. Teilnehmer der Weiterbildung sind Köche oder Personen aus dem Gastro- und Cateringbereich. Und ich!

DEHOGA Thüringen

DEHOGA Thüringen

Leipzig steht im nächsten Jahr nun auch ganz fest auf meinem Reiseplan. Da ich ab Januar nun regelmäßig Erfurt sein werde, wird es ein Kinderspiel sein nach Leipzig weiterzufahren und die Stadt in Deutschlands Osten endlich zu erkunden. Angeblich ist Leipzig die vegan-freundlichste Stadt Deutschlands. Zumindest wurde sie von der PETA 2014 dazu gekürt. Wie es mir übrigens in Erfurt mit meinem Selbstversuch ohne Shampoo erging lest ihr hier… Im Anschluss an die Erfurt-Reise ging es nach Nürnberg zur Street Food Convention. Vegtastische Grüße! Sabrina

Vegtastisch

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Ich heiße Sabrina und lebe in einem Häuschen bei Neu-Ulm in Bayern. Seit 2016 bin ich Mama eines kleines Bubs. Ich liebe es zu reisen - mit dem Rad, dem Auto, der Bahn. Ich schreibe über die verschiedensten Themen und versuche dabei das Thema Nachhaltigkeit immer im Fokus zu haben.
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