Vegan – Trend oder Lebensart?

Der Verzicht auf tierische Produkte aller Art gehörte noch vor wenigen Jahren eher zu den Skurrilitäten als zum normalen Leben. Doch das hat sich rapide geändert, vor allem, seitdem sich immer mehr Prominente zu diesem Lebensstil bekennen. Veganer sind keine absolute Seltenheit mehr, sie treten aus ihrer verborgenen Nische hinaus mitten in die Gesellschaft. Dadurch wirken sie endlich auch inspirierend auf andere und tragen dazu bei, dass die vegane Welle weiterwächst und vielleicht irgendwann zu einem Tsunami wird.

Demi Moore: Vegane Kulinarik in Verbindung mit Yoga

Demi Moore gehört zu den Personen des öffentlichen Lebens, die im großen Poker Spiel um die Ernährung auf die vegane Karte setzt. Die Schauspielerin, die mittlerweile Hollywoods reiferem Kader angehört, ernährt sich angeblich ausschließlich von Rohkost, also frischem Gemüse und Früchten. Obwohl diese Lebensmittel zahlreiche Vitamine und Nährstoffe enthalten und deshalb als wahrer Jungbrunnen gelten, entschied sich die Grande Dame der amerikanischen Filmwelt schon mehrmals dazu, sich unter das Messer zu legen. Ihre Schönheits-OPs sorgten regelmäßig für mediale Furore, doch immerhin hat sich die über 50-Jährige tatsächlich einen Teil ihrer natürlichen Schönheit bewahrt. Ergänzend zur veganen Kulinarik beschäftigt sich Demi Moore in ihrer Freizeit auch intensiv mit Yoga, weil Sport und Meditation eine essenziell wichtige Ergänzung für eine gesunde Lebensweise sind. Ganzheitlichkeit heißt das Stichwort, das viele Veganer umtreibt, wenn es darum geht, ihren Körper in Höchstform zu bringen.

Daniel Negreanu: besseres Texas Hold’em ohne Fleisch

Nicht nur in Hollywood gehört der Veganismus zu den Trends dieser Zeit. Sogar einige Pokerspieler, die nicht gerade für gesunde Ernährung stehen, merkten, dass ihre Körper unter der als normal angesehenen Lebensmittelversorgung litten. Der aus Toronto stammende Daniel Negreanu ist beispielsweise davon überzeugt, dass sich die vegane Ernährungsumstellung positiv auf seine Pokerkarriere auswirkte. Im Jahr 2006 fiel seine Entscheidung zur vollständig tierfreien Nahrungsaufnahme. Seit dieser Umstellung räumt er auf Turnieren in der ganzen Welt ab, so auch bei der von 888 gesponsorten World Series of Poker. Nachdem Negreanu anfangs noch belächelt wurde, ziehen heute immer mehr Kollegen aus der Kartenspielszene nach und verzichten auf Fleisch sowie auf Milchprodukte. Ob sich dadurch ihre Texas-Hold’em-Strategie signifikant verbessert, bleibt dahingestellt.

Paul McCartney: Tierschutz-Aktivist mit veganem Herz

Auch in der Musikindustrie gerät etwas in Bewegung. Altrocker Paul McCartney hat schon vor vielen Jahren den großen Schritt hin zum veganen Leben getan, er unterstützt tatkräftig die Tierschutzorganisation PETA und setzt sich gegen Tierversuche ein. Auch der Klimaschutz liegt dem Weltstar am Herzen, der gerade seinen 78. Geburtstag feierte. Er sagt von sich selbst, dass er jedem Leben mit Respekt gegenübersteht und deshalb kein Fleisch mehr anrühren möchte. Auslöser seines Sinneswandels war ein Erlebnis beim Angeln, als McCartney einen kleinen Fisch an Land zog, den er dann lieber doch nicht töten wollte. Für einen kurzzeitigen Genuss ein Leben zu rauben kam ihm einfach erbärmlich vor: Das war der Moment, als es deutlich „Klick“ in ihm machte. In seinem zweiten Buch „Less Meat, Less Heat“ bekennt er sich noch einmal deutlich zur fleischlosen Ernährung und erklärt, warum es im Poker um unsere Erde ungemein wichtig ist, die Massentierhaltung zu beenden. Für ihn ist die vegane Lebensart ganz sicher kein kurzfristiger Trend, sondern eine unverrückbare Entscheidung.

Tom Brady: Ernährungsplan mit Herz und Verstand

Leistungssportler sind ebenso wie Poker Spieler darauf angewiesen, dass ihr Körper absolut reibungslos funktioniert – und zwar dauerhaft. Darum ist es in diesem Bereich Gang und gäbe, die Ernährung genau im Blick zu behalten und wenn nötig an der einen oder anderen Stelle kräftig zu justieren. Die Profis der amerikanischen NFL bilden da keine Ausnahme, denn um als Footballspieler in der höchsten Liga zu bestehen, braucht es unter anderem echtes Kraftfutter. Der Superstar Tom Brady reduzierte zu Anfang auf Empfehlung seines Ernährungsberaters seinen Fleischkonsum – und strich dann im Laufe der Jahre sämtliche tierische Produkte von seinem Speiseplan. Nur im Winter nimmt er manchmal noch ein wenig mageres Fleisch zu sich, um in der kalten Jahreszeit für eine bessere Ausgewogenheit zu sorgen. Typischerweise beginnt Bradys Tag mit einem Smoothie aus Mandelmilch mit Samen, Nüssen und einer Banane. Danach folgt ein Proteinriegel und zum Mittag gibt es Salat mit ganzen Körnern sowie eine gute Portion Gemüse. Dann wieder ein Smoothie und abends ein leckeres Quinoa-Gericht.

Die Williams-Schwestern: mit Rohkost auf den Tennisplatz

Serena und Venus Williams sind so etwas wie eine Legende im Doppelpack. Die beiden Schwestern verzeichnen auf dem internationalen Tennisparkett berauschende Erfolge, doch im Jahr 2011 erlitt Venus einen schrecklichen Tiefschlag: Bei ihr wurde das Sjögren-Syndrom diagnostiziert, eine Autoimmunkrankheit, die unter anderem zu Müdigkeit und Muskelschmerzen führt. Eine Ernährungsumstellung brachte im Poker Spiel um ihre Gesundheit deutliche Verbesserungen, seitdem ist die Sportlegende bekennende Veganerin. Nur wenig später folgte ihr ihre Schwester Serena auf den Weg in die fleischlose Lebensweise und zwar aus purer Sympathie. Jetzt steht bei beiden Ausnahmetalenten nichts mehr weiter als Rohkost auf dem Speiseplan, was sich alles andere als leistungsmindernd auswirkt. Obwohl die beiden Damen längst zur alten Garde im Tennis gehören, befinden sie sich gemessen an ihrem Alter in Höchstform.

Der Peak of Meat ist überschritten: Wie geht es weiter?

Eines lässt sich nicht leugnen: In der spätindustriellen Welt wurde der sogenannte „Peak of Meat“ vor Kurzem überschritten, der Fleischverbrauch stagniert oder geht regional sogar zurück. Dieser Trend korreliert mit den gefahrenen Autokilometern pro Person, die sich ebenfalls seit ein paar Jahren reduzieren. Die teilweise grauenvollen Zustände in den Mastfabriken dieser Welt geraten immer wieder ans Licht der Öffentlichkeit und lassen die Menschen kaum mehr kalt. Fest steht: Ein übermäßiger Fleischkonsum führt nicht nur zu enormem Tierleid, sondern er schädigt auch die menschliche Gesundheit und treibt den CO2-Ausstoß in die Höhe. Diese Erkenntnis sickert ganz allmählich in die Gesellschaft ein, sodass die vegetarische Lebensart längst kein seltenes Phänomen mehr ist. Die Veganer unter den Vegetariern vermehren sich gleichzeitig deutlich, was sich nicht nur bei den Stars von Hollywood widerspiegelt, sondern auch im Sportbereich und unter den größten Musikern dieser Erde.

Den „Peak of Meat“ haben wir hinter uns gelassen

Wird aus dem veganen Trend eine Ernährungsrevolution?

Gleichzeitig erleben wir aber auch, dass ein Großteil der Menschen am Fleisch- und Tierproduktekonsum festhält. Schließlich war der Verzehr toter Tiere kein kurzfristiger Trend der Menschheitsgeschichte, sondern ein jahrtausendealtes Unterpfand unserer Evolution. Das Töten und Getötet-Werden liegt uns ganz offensichtlich im Blut, es lässt sich nicht nach Belieben ein- und ausschalten. Damit die vegane Lebensweise keine kurzfristige Modeerscheinung bleibt, braucht es sowohl weitere Aufklärung als auch dauerhaftes Influencing. Niemand sollte allerdings erwarten, dass im internationalen Poker Spiel um die Ernährung kurzfristig sieben Milliarden Veganer entstehen, eher wird es immer einen gewissen Anteil von Menschen geben, die regelmäßig ihr Stück Fleisch genießen – ob täglich, wöchentlich oder monatlich.

Gutes Zeichen: Die Wirtschaft schwenkt allmählich um

Mittlerweile wittert auch die Wirtschaft das ganz große Geschäft auf dem vegetarischen und veganen Ernährungssektor. Das steigende Angebot auf dem allgemeinen Markt wirkt sich ohne Frage stabilisierend auf die gesellschaftliche Entwicklung aus, denn wenn die passenden wohlschmeckenden Produkte immer und überall erhältlich sind, fällt es viel leichter, sich fleischlos zu ernähren. Unilever investiert bereits verstärkt in den rein pflanzlichen Lebensmittelbereich und reichert sein Markensortiment immer weiter an. 2018 erwarb der Konzern die niederländische Firma „The Vegetarian Butcher“, die vegetarische Alternativen zum Fleisch produziert. Würstchen, Burger und Chicken Nuggets ohne tote Tiere? Das ist längst möglich und kommt bei den Kunden zunehmend gut an.

Burger-Alternativen, die aussehen wie echtes Fleisch

Auch das US-Unternehmen Beyond Meat greift kräftig in das neue Marktgeschehen ein. Von ihm stammen die pflanzlichen Burger, die der Firma einen ungewöhnlich starken Börsenstart bescherten. Die Hackfleischscheiben sehen genauso aus wie Fleisch, sind aber vollständig aus Pflanzenbestandteilen gefertigt. Tyson Foods, ebenfalls aus den USA und bisher hauptsächlich an Rind-, Schweine- und Hähnchenfleisch interessiert, investierte bereits früh in Beyond Meat. Jetzt brachte der Konzern mit Sitz in Arkansas ein eigenes Konkurrenzprodukt auf den Markt. Und auch die Brasilianer lassen sich nicht lumpen: JBS als größter Fleischproduzent dieser Erde stellt seit Kurzem ebenfalls einen veganen Burger her – und das mit einigem Erfolg.

Fertig für die vegane Zukunft?

Auch in Deutschland füllen sich die Discounter-Regale mit veganen und vegetarischen Lebensmitteln, die Auswahl vergrößert sich zusehends. Endlich sind wir also bei einer Gleichberechtigung der fleischhaltigen und fleischlosen Ernährung angelangt – und jetzt beginnt das spannende Omaha hi-lo um die Zukunft der Ernährung.

Vegtastisch

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