Müll als Gold von morgen? Recycling als Gewinn in doppelter Hinsicht

 

Das Handy funktioniert nicht mehr, der Staubsauger versagt seinen Dienst und der Fernseher könnte auch noch größer und von besserer Qualität sein. Die naheliegende Lösung der meisten Verbraucher ist – wen überrascht es – die alten Geräte fliegen in den Müll und werden durch neue ersetzt. Der Verbraucher freut sich über sein neues Gerät, die Wirtschaft über mehr Umsatz. Aber der übermäßige Konsum hat auch seine Schattenseiten: Es entstehen Tonnen von Müll, von denen gerne auch mal was im Meer oder anderswo hingelangt, wo es nicht hingehört. Das die Natur enorm darunter leidet, ist gewiss. Und auch der Verbraucher wird bei derart starkem Konsum irgendwann zurückstecken müssen, denn auch die Rohstoffe auf der Erde werden immer knapper. Die Menschen der westlichen Industriestaaten leben schon seit Jahrzehnten über ihre Verhältnisse. Laut einer Studie aus Australien benötigen Industrieländer wie Deutschland sogar deutlich mehr Rohstoffe, als offizielle Statistiken bislang vermuten lassen. Tatsächlich sind wir sogar zu einem großen Teil abhängig von Rohstoffimporten. Trotzdem steigt der Verbrauch ungehindert weiter. Langfristig werden die Ressourcen nicht mehr reichen, manche Wissenschaftler warnen gar vor Verteilungskriegen um die knapper werdenden Ressourcen.

 

Müll: Problem oder Chance?

Das Problem ist schon seit langem bekannt. Der Mensch wäre aber nicht der Mensch, wenn er sich mit diesem Zustand einfach abfinden und nicht nach einer Lösung suchen würde. Wenn aber der Mensch nirgendwo auf der Erde mehr neue Quellen für Ressourcen auftun kann, dann bleibt nur noch eines: Alte Ressourcen müssen genutzt werden, um daraus etwas Neues zu gewinnen. Dies geschieht meist in Form von Recycling. Durch die Wiederverwertung von Müll wird die Umwelt geschont und Rohstoffe werden eingespart. Das Bewusstsein für Recycling ist hierzulande bereits in den 1990er Jahren entstanden. Heute, etwa 20 Jahre später, ist aus der Öko-Maßnahme ein Milliardengeschäft geworden. Was wir, die Konsumenten einfach wegwerfen, ist für viele Unternehmen unheimlich wertvoll geworden. Es scheint eine Win-Win-Situation entstanden zu sein: Nicht nur die Natur profitiert mittlerweile vom Recycling, sondern auch die Wirtschaft. Doch was genau steckt hinter dem Mega-Geschäft? Birgt unser Müll gar Potenziale für die Gesellschaft von morgen? Oder entstehen durch diesen Wirtschaftssektor wieder neue Probleme?

Müll als neuer Industriezweig

Das Entsorgungsproblem, das Müll einmal mit sich brachte, scheint heute längst vergessen. Heute reißen sich die Unternehmen um alles, was für uns keinen Wert mehr hat. Müll ist zum Multi-Milliarden-Geschäft geworden. Angesichts der schwindenden Ressourcen verwundert der Kampf um den Müll kaum. Immerhin bergen die Möglichkeiten des Recyclings die Chance, sonst knappe Rohstoffe wieder zu gewinnen und daraus neue Güter zu produzieren. Kupfer etwa ist ein Rohstoff, der sich immer wieder recyceln lässt, ohne das die Qualität darunter leidet. In China und Indien ist dieser Rohstoff sehr gefragt und es werden nicht geringe Summen dafür gezahlt.

Chancen der Müllindustrie

Grüne Technologien gewinnen zunehmend an Bedeutung. Schon 2011 haben Unternehmen im Bereich Umwelttechnik und Ressourceneffizienz einen Umsatz von 300 Milliarden Euro erwirtschaftet. Und das ist erst der Anfang. Bis 2025 rechnet das Bundesumweltministerium allein in Deutschland mit einem Marktvolumen von knapp 700 Milliarden Euro. Ein Drittel davon soll für umweltfreundliche Energien und Energiespeichertechnik verwendet werden.

Die hohen Investitionen in den Energie-Markt verwundern kaum angesichts der Tatsache, dass der Energieverbrauch in den letzten drei Jahren weltweit um mehr als zwei Drittel gestiegen ist und die noch vorhandenen Ressourcen damit in rasantem Tempo schwinden. Umso begehrter ist die Nutzung von Abfällen zur Energiegewinnung. Wer hätte gedacht, dass sich aus einer Tonne Restmüll 200 Liter Öl gewinnen lassen? Berlin macht sich das schon lange zu Nutze. Dort wird mehr als die Hälfte der jährlich anfallenden 160.000 Tonnen Müll zu Ersatzbrennstoffen verarbeitet.

Doch noch immer bleiben viele Potenziale des Mülls ungenutzt, da die Müll-Sortieranlagen manche Rohstoffe noch gar nicht identifizieren können. Dies könnte sich aber schon bald ändern. Das Forschungszentrum Jülich hat ein Gerät entwickelt, das die Sortierung von Abfällen revolutionieren könnte: Den Neutronengenerator. Bei dieser neuen Sortiermethode wird der Abfall auf einem Fließband am Generator vorbeigefahren und mit Neutronen beschossen. Die dabei entstehenden Gammastrahlen werden gemessen und erlauben Rückschlüsse auf die im Abfall vorhandenen Materialien. Auf diese Weise können Rohstoffe wie Gold, Silber oder seltene Erden ausgemacht werden, die sonst unentdeckt bleiben würden, da es bislang zu teuer war, den Abfall entsprechend vor zu sortieren. Aufgrund der mit 25.000 Euro doch recht hohen Kosten kommt der Neutronengenerator bei weitem nicht für jedes Recyclingunternehmen in Frage. Für größere Recyclingunternehmen könnte diese Lösung aber interessant sein, zumal sie erlaubt, Rohstoffe zu nutzen, die sonst verloren gehen.

Und das ist noch lange nichts alles. Was heute noch nach völliger Science Fiction klingt, könnte schon in ein paar Jahren Realität werden: So arbeiten Forscher an Verfahren, mit denen sie künstliche Zähne aus Urin züchten oder Strom gewinnen wollen. Selbst der Plastikmüll, der schon gewaltige Strudel in den Ozeanen gebildet hat, lässt sich theoretisch für Strumpfhosen und Pullover verwerten. Die Möglichkeiten scheinen beinahe unendlich.

Risiken der Müllindustrie

Doch die neue Müllindustrie birgt nicht nur Chancen, sondern auch Risiken. Der Wettbewerb ist mittlerweile so hart geworden, dass kleine und mittlere Unternehmen sich kaum noch auf dem „grünen Markt“ durchsetzen können. Die vielen Recyclingmöglichkeiten und die riesige Geldmaschinerie sollte Verbraucher im Übrigen nicht darüber hinwegtäuschen, dass durch den hohen Konsum immer noch zu viel Müll entsteht und dass das oberste Ziel immer noch die Abfallvermeidung sein sollte.

Die Potenziale des Mülls sind noch lange nicht ausgeschöpft

Dennoch: Müll ist heiß begehrt und kurbelt den Wettbewerb darum deutlich an. Schon lange geht es dabei nicht mehr nur um Umweltschutz, sondern um viel Geld und letztlich um nichts weniger als den Wohlstand und gar die Errungenschaften der Menschheit. Wenig überraschend gilt das Müllgeschäft deshalb auch als Zukunftsbranche. Zumal die Abfälle auch noch genügend Rohstoffe beinhalten, die bisher noch gar nicht genutzt werden. Wissenschaftler an Hochschulen arbeiten schon an neuen Aufbereitungsverfahren, die dabei helfen sollen, auch an bisher ungenutzte Rohstoffe heranzukommen. Denn eines steht für Naturwissenschaftler jetzt schon fest: Wenn wir lernen, die vorhandenen Ressourcen besser zu nutzen, dann schaffen wir auch mehr Wohlstand. Die Müllindustrie muss und wird sich weiter entwickeln. Das entlässt den Einzelnen noch lange nicht aus seiner Pflicht, schonend mit der Umwelt umzugehen und vorhandene Ressourcen mit Bedacht zu nutzen. Aber die neue Müllindustrie macht doch Hoffnung. Hoffnung, dass die nachfolgenden Generationen noch immer einen grünen Planeten vorfinden werden, der voller Leben ist und viele Potenziale bietet. Potenziale, die unsere jetzige Generation schon entdeckt hat und weiter entwickelt, um der Ausbeutung der Natur trotz oder gerade wegen des hohen Konsums entgegenzuwirken. Es bleibt spannend, inwieweit uns das gelingen wird. Feststeht, dass Unternehmen im Bereich Umwelttechnik und Ressourceneffizienz sowie Recyclingunternehmen dabei weiterhin eine wichtige Rolle spielen werden.

Foto: Peter Preimesser GmbH Co. KG

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Sabrina

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## Recherchequellen für diesen Artikel: Focus Online – Pointer Reset ct MagazinSüddeutsche ZeitungGevestor Handelsblatt Planet Wissen

 

 

 

 

 

 

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Ich heiße Sabrina und lebe in einem Häuschen bei Neu-Ulm in Bayern. Seit 2016 bin ich Mama eines kleines Bubs. Ich liebe es zu reisen - mit dem Rad, dem Auto, der Bahn. Ich schreibe über die verschiedensten Themen und versuche dabei das Thema Nachhaltigkeit immer im Fokus zu haben.
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