Buchvorstellung: „ZERO WASTE KÜCHE“ von Sophia Hoffmann – die Autorin im Interview

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„ZERO WASTE KÜCHE“ von Sophia Hoffmann

Zero Waste Küche* erschien in diesem Monat im ZS Verlag und kostet 24,99 Euro im Hardcover. Sophia Hoffmann ist kein Neuling in Sachen Bücher. Zwei weitere Stücke gehen bereits auf ihr Konto und ein Ende ist hoffentlich nicht in Sicht.

Zu ihrem neuesten Buch habe ich sie befragt und freue mich sehr, Euch dieses Interview hier zeigen zu können.

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Interview mit Sophia Hoffmann

VEGTASTISCH: Ich finde es gut, dass du im Buch auch auf Eier und Fleisch als Nahrungsmittel eingehst und zwar ohne diese direkt zu verteufeln. Du lässt jedem die Wahl diese Produkte zu essen. Aber war es für dich persönlich als Veganerin eine Überwindung die Themen ins Buch zu nehmen?
Sophia Hoffmann:
„Mir war von Anfang an klar, dass ich diese Lebensmittel mit behandeln möchte, da ich ein möglichst breites Publikum für das Thema Lebensmittelverschwendung sensibilisieren will. Wenn schon tierische Lebensmittel, dann bitte bewusst, nachhaltig und bitte alles aufessen!
Unterbewusst hat es mich wohl schon Überwindung gekostet mich noch mal so detailliert mit den Fakten auseinanderzusetzen, ich habe diese Themen tatsächlich bei der Arbeit am Buch bis zum Ende heraus geschoben… Obwohl man all diese Zahlen zu Tierhaltung bereits kennt, haben mich vor allem jene zum Fischfang zutiefst schockiert. Der Raubbau an den Weltmeeren, der hier ohne Rücksicht auf noch gar nicht absehbare Folgen für die gesamte Menschheit betrieben wird, ist schier unvorstellbar. Man kann kaum Empfehlungen zu Fischkonsum aussprechen, weil selbst Aquakultur problematisch ist.“
VEGTASTISCH: Dein neues Buch vermittelt sehr viel Wissen. Kochrezepte starten erst auf Seite 144. Richtet sich das Buch damit an eine andere Zielgruppe bzw. hat einen anderen Zweck als zum Kochen zu inspirieren?
Sophia Hoffmann:
„In Deutschland landen jährlich 18 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll, 40% davon in Privathaushalten. Ich finde es reicht nicht „nur“ Rezepte zu teilen.
Ich bin der Meinung, dass wir die verloren gegangene Wertschätzung für unser Essen wieder erlernen müssen. Wissen ist Macht und macht Spaß. Je besser uns klar ist wo unser Essen herkommt, wie wir es lagern und behandeln sollten, welche ökologischen Auswirkungen es auf unsere Umwelt, Tiere und Mitmenschen hat und wie wir es am Besten verwerten können, desto mehr erkennen wir den Wert.
Was wertvoll ist, schmeißt man auch nicht so leicht weg.
Mir war wichtig, dass der Informationsteil wie ein unterhaltsames Nachschlagewerk funktioniert, denn mir geht es um Kochverständnis, nicht um das blinde Nachkochen einzelner Rezepte. Das ist mir zu punktuell. Der Ansatz ist ganzheitlich und trotzdem auch für Anfänger*Innen geeignet.“
VEGTASTISCH: Du hast Bete oder auch Bohnen je eine ganze Doppelseite gewidmet. Wie kommt das?
Sophia Hoffmann:
„Die Auswahl der 40 Lebensmittel im Infoteil ist subjektiv, getroffen durch das Lesen von Studien, Leser*innen-Befragung, Ernährungsempfehlungen und meinem Bauchgefühl als Köchin. 
Bohnen und Bete wachsen regional und sind super gesund. Man kann sie (oft) unverpackt erwerben und sie haben nicht nur eine gute Ökobilanz und tolle Nährwerte sondern lassen sich auch gut lagern und vielseitig verwerten. Vor 150 Jahren wurden in Deutschland pro Kopf 20,7 kg Hülsenfrüchte/ Jahr gegessen, heute sind es verschwindende 0,7 kg/ Jahr. Gleichzeitig stieg der Fleischkonsum ins Unermessliche.
Obwohl alle Gesundheitsorganisationen den regelmäßigen Verzehr empfehlen, sind sie – bis auf den Tellern von Veganer*Innen – fast komplett verschwunden. Deshalb propagiere ich z.B. die Bohne.“
 
VEGTASTISCH: „Zerowaste“ zu kochen klingt im ersten Moment ein bisschen nach Restekochen. Es geht aber um so viel mehr. Kannst du das Buch in 3 Sätzen zusammenfassen, für jemanden der noch nie was von „zerowaste“ gehört hat?
Sophia Hoffmann:
„Zero Waste (= null Müll) ist eine Nachhaltigkeitsphilosophie, die in den letzten Jahren weltweit eine wachsende Anhängerschaft gewonnen hat.
Sie hat viele Komponenten: Abfallvermeidung, Konsumverweigerung/ -kritik, Recycling, Verwertung, Reparatur, Wiederverwertung, Kreislaufwirtschaft, Minimalismus – um nur die Bekanntesten zu nennen. 
In der Küche bedeutet das bewusster Konsum, möglichst Ressourcen-schonendes Einkaufen (wenig Verpackung, möglichst lokale/ saisonale Produkte) und möglichst alles Verwerten.
Der im Fair Fashion Bereich oft zitierte Satz von Vivienne Westwood lässt sich meines Erachtens auch auf die Küche übertragen: „Buy less, choose well, make it last!““
 
VEGTASTISCH: Die sogenannten Bowls sind für Zerowaste-Kochen perfekt. Warum denkst du, dass dieser Foodtrend aktuell so beliebt ist?
Sophia Hoffmann:
„Ich habe in meinem Buch auch ein Beispiel für eine opulente Reste-Bowl und erkläre welche Komponenten aus dem Rezeptteil sich besonders gut kombinieren lassen als Bowls oder Wraps. Erstens sehen Bowls einfach toll aus aufgrund ihrer vielen bunten Komponenten und sie zeigen, dass pflanzliche Küche nicht einfach ein Ersetzen des Dreh-Komponenten-Tellers bedeutet mit Kohlenhydraten/ Salatblatt und Fleischersatz. Bowls stehen für Vielfalt und geballte Geschmackserlebnisse.“
VEGTASTISCH: Du hast in Sachen Kochen schon viele Stationen gemacht. Warst du schon einmal in meinem schönen Ulm oder hast du es vor?
Sophia Hoffmann:
„Ich war schon mal in Ulm aber noch nie zum Kochen. Aber ich bin schon mal auf das Ulmer Münster geklettert obwohl ich ziemlich unter Höhenangst leide, aber ich habe offensichtlich überlebt. 😉
Mit meinem neuen Buch werde ich ein bisschen on the road sein, aber prinzipiell möchte ich dieses Jahr auch viel Zeit in Berlin verbringen und an den Plänen für meine eigene Unternehmensgründung arbeiten. Aber wer weiß, vielleicht komme ich ja mal vorbei…“
>>>> Anmerkung von VEGTASTISCH: Ja, Sophia! Komm her und melde dich dazu gerne bei mir! Ich zeig dir meine Stadt! Und natürlich auch Adressen aus meinem Vegan Guide für Ulm.
VEGTASTISCH: Berlin ist ziemlich easy in Sachen veganes Leben. Was passiert, wenn du in kleinere Städte kommst? Wunderst du dich, wie wenig Angebot es hier gibt für Veganer?
Sophia Hoffmann:
„Ich finde das lässt sich nicht pauschalisieren, klar gibt es in Berlin viele Angebote, aber es gibt auch viele die zwar vegan, aber nicht super lecker sind (so wie in der konventionellen Gastro auch).
Klar ist man dadurch verwöhnt, aber ich erlebe auch immer wieder Überraschungen in kleinen Orten, abgelegeneren Gegenden wo man gar nicht damit rechnet gibt es oft engagierte Menschen, die tolle Konzepte anstoßen. Als ich vor 2 Jahren Urlaub in Irland machte, stolperte ich mitten auf dem Land in ein herrliches veganes Restaurant mit dem wohl besten Schokoladenkuchen ever… Apps wie ‚Vanilla Bean‘ oder ‚Happy Cow‘ sind absolute Lebensretter.“
VEGTASTISCH: Ich persönlich lebe ’so vegan wie möglich‘. Heutzutage hat man das Gefühl Veganer wollen perfekt sein. Nachhaltig, regional, saisonal, fair, bio, unverpackt also plastik- und müllfrei – am besten alles in einem umsetzen. Was würdest du persönlich sagen ist hier die Prioriätsreihenfolge? Regional schlägt Bio? Fleisch vom Hofladen schläft Tofu aus China-Import?
Sophia Hoffmann:

„Gute Frage. Ich bin auch ’so vegan wie möglich‘, ab und zu esse ich mal ein Ei oder Milchprodukte wenn ich die Erzeuger (oder die Hühner) persönlich kenne oder es, z.B. auf Reisen echt schwierig ist etwas rein Veganes zu bekommen. Ich bin aber auch einfach kein dogmatischer Mensch und finde es schlimm wenn andere Menschen einen verurteilen weil sie glauben man müsste ‚alles richtig‘ machen. Ein Freund von mir, Peter Duran, der Betreiber des Isla Coffee in Berlin (vegetarisches Café mit Zero Waste Konzept/ Kreislaufprinzip) sagte letztens ‚die totale Nachhaltigkeit gibt es nicht‘. Ich glaube man muss die Waage finden zwischen sich an der Thematik aufreiben und trotzdem kritisch abwägen.

Ich würde IMMER bio und Fairtrade vorziehen, trotzdem versuche ich so gut wie möglich auf Verpackungen zu verzichten. Bio und Fairtrade geben ein Mindestmaß an Kontrolle vor. Bio für Pestizid- und Gentechnik-Freiheit und Fairtrade gegen Ausbeutung und Kinderarbeit. Ein regionaler Bauer kann noch so sympathisch sein. Wenn er aber kein Biosiegel hat, kann man nicht sicher gehen, dass die Äpfel nicht gespritzt sind. Ich persönlich würde weder Fleisch noch konventionelles Tofu kaufen. Wer sich einmal gegen Fleischkonsum entschieden hat, kehrt relativ selten dazu zurück und gerade im Tofu-Bereich gibt es so viele tolle deutsche Bio-Erzeuger, die nur mit europäischem Soja arbeiten.

Wichtiger Punkt noch – Oft kommt die Diskussion auf: ‚Bei mir gibt es keinen Bioladen sondern nur in Plastik gepacktes Bio-Gemüse im Supermarkt‘. Hier lohnt es sich Eigeninitiative zu ergreifen, mal zu recherchieren ob es nicht vielleicht doch einen Hofladen gibt, oder eine Solawi in der Umgebung oder einen Biokisten-Lieferanten. Oft geben Konsumenten zu schnell auf.

Die Suche nach unbehandelten, gesunden Lebensmitteln lohnt sich auf jeden Fall und wer sagt ‚Bio ist zu teuer‘: „Buy less, choose well, make it last!“. 
Esst mehr Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte.“

Ich danke Sophia für dieses nette und anregende Interview zum neuen Buch!

Findet Ihr nicht auch, dass Sophia eine tolle Linie fährt mit ihren Aussagen? Ich kann absolut unterschreiben, was sie sagt. Für mich persönlich versuche ich die Punkte eben genau so zu leben – da wo es eben geht. Mit Kind ist die Realität leider manchmal etwas schwieriger in der Umsetzung, aber wenn man die Punkte der Nachhaltigkeit fürs eigenen Leben immer im Hinterkopf hat wird es irgendwann zur Routine Gurken nur zu kaufen wenn keine Folie drum herum ist.

Vegtastische Grüße!

Sabrina

## KOOPERATION: Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit der ZS Verlag GmbH und ‚ehrlich&anders‘.

*Es handelt sich um Affiliate-Links zum Amazon-Partnernetzwerk.

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Vegtastisch

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Ich heiße Sabrina und lebe in einem Häuschen bei Neu-Ulm in Bayern. Seit 2016 bin ich Mama eines kleines Bubs. Ich liebe es zu reisen - mit dem Rad, dem Auto, der Bahn. Ich schreibe über die verschiedensten Themen und versuche dabei das Thema Nachhaltigkeit immer im Fokus zu haben.
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