Gastartikel – Lena´s Selbstexperiment: 2 Tage leben von „Müll“

Von Müll leben? Geht das?

Meine rasende Reporterin Lena aus München hat beschlossen einen Selbsttest zu machen. Nachdem ich sie vor ein paar Wochen zum Heldenmarkt in München geschickt hatte um darüber hier zu berichten wurde Lena nachdenklich. Das Ergebnis daraus freut mich ganz besonders, denn ohne, dass es von mir einen zusätzlichen Impuls gab hat Lena sich zwei Tage lang von ‚Müll‘ ernährt und darüber einen kleinen Bericht geschrieben.


Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft. Laut WWF-Studie werden in Deutschland 313 Kilo Lebensmittel pro Sekunde weggeworfen. Doch warum? Zu krumm, zu weich, zu hart, abgelaufen oder einfach weil man Platz für neues haben möchte? Containern, also in den Tonnen von Supermärkten nach Essen suchen, ist in Deutschland eine Straftat, die wie Diebstahl behandelt wird. In einigen Städten haben sich Menschen deshalb organisiert und retten das, was eigentlich im Müll gelandet wäre. Diese Lebensmittel werden dann verschenkt. Foodsharing nennt sich das in den meisten Städten. Ich wollte nun selbst testen, was es damit auf sich hat und habe mich zwei Tage nur von dem ernährt, was für andere nichts mehr wert war.

Budget

Von Foodsharing Landshut habe ich geholt

  • ein Bund Möhren

  • einen Brokkoli

  • Weintrauben

  • einen Apfel

  • 7 Stangen Spargel

  • eine Ingwerknolle

  • 2 Blutorangen

  • 2 Paprikas

  • eine Zucchini

  • eine Aubergine

  • 2 Mangos

  • 2 angeschnittene Salatköpfe

  • Radieschen

  • Peperoni Ciabatta

Foto: Lena Hilger

Außerdem habe ich zufälligerweise von meiner lieben Nachbarin noch folgendes bekommen, was sie vor ihrem Urlaub nicht mehr aufgebraucht und sonst weggeworfen hätte.

  • Eine angeschnittene Gurke

  • 4 Zitronen

  • 3 Bananen

  • Champignons

Foto: Lena Hilger

Zusätzlich habe ich mir auch das ein oder andere erlaubt, was ich bereits zu Hause hatte:

  • Essig

  • Öl

  • Gemüsebrühe

Ich hatte zu Beginn etwas bedenken, ob es mir auch reichen würde, um satt zu werden, da ich blöderweise nur ein Ciabatta mitgenommen habe, obwohl Foodsharing Landshut noch mehr gerettete Brote hatte. Das sind zwar nicht viele Kohlehydrate für zwei Tage, aber Zucker für Energie habe ich ja immerhin auch noch in Weintrauben, Bananen und Mangos. Verhungern werde ich sicherlich nicht.

Tag 1

Da eine Mangos schon Druckstellen hatten und eine etwas schrumpelig war, habe ich sie kurzerhand mit einer Banane zusammen in den Mixer getan. Einen Teil davon wollte ich für den zweiten Morgen aufheben, den Rest gab es zusammen mit ein paar Weintrauben zum Frühstück.

Frühstück an Tag 1, Foto: Lena Hilger

Der Brokkoli und manche Karotten waren leider schon etwas „wabbelig“. Deshalb entschloss ich mich, daraus eine Suppe zu kochen. Etwas mehr als die Hälfte der Röschen waren noch verwertbar und die Möhren habe ich geschält. Mit Brühe und einem Drittel des Peperoni Ciabattas war es mein Mittagessen. Zur Verfeinerung habe ich mir etwas Kürbisöl on top gegönnt.

Mittagessen Tag 1, Foto: Lena Hilger

Zu Abend gab es dann einen Salat mit etwas Gurke und gebratenen Champignons. Von den Champignons habe ich nur die Hälfte gebraucht. Alle Zutaten waren noch knackig frisch. Darauf etwas Aceto Di Balsamico und schon war es perfekt.

Abendessen Tag 1, Foto: Lena Hilger

Tag 2

Am zweiten Tag gab es gebackene Banane mit dem restlichen Mangomousse zum Frühstück, dazu einen Apfel, zwei Blutorangen und ein paar Weintrauben. Sehr lecker und so einfach.

Frühstück an Tag 2, Foto: Lena Hilger

Aubergine, Zucchini und beide Paprikas waren komplett einwandfrei, wie frisch aus dem Supermarkt. Absolut unverständlich, wie jemand so tolles Gemüse einfach in den Müll werfen würde. Mit etwas Knoblauchöl im Ofen gebacken auf einem weiteren Drittel des Ciabattas wurde es zu köstlicher Antipasti. Das Ciabatta musste ich heute auch etwas im Ofen aufbacken.

Mittagessen am zweiten Tag, Foto: Lena Hilger

Mein Abendessen war wieder Salat mit Gurke, diesmal Spargel und Radieschen dazu und Essig/Öl Dressing darüber. Dazu das restliche Ciabatta.

Tag 2 Abendessen, Foto: Lena Hilger

Während beider Tage habe ich in meine Wasserkaraffe noch Zitrone und Ingwer gegeben. Das war sehr erfrischend. Außerdem sind beide Pflanzen natürliche Appetitzügler, was nebenbei ein positiver Effekt ist. Durch den Geschmack habe ich auch mehr getrunken, als ich üblicherweise trinke.

Selbstgemachter Durstlöscher, Foto: Lena Hilger

Reste

Wie man sieht waren meine Bedenken, ob ich satt werde, völlig umsonst, denn es war mehr als genug. Verwerten werde ich den Rest natürlich auch noch, doch dazu mache ich mir zusätzlich gekaufte Lebensmittel wie Reis oder Nudeln. Wegwerfen werde ich davon nichts, denn auch nach zwei Tagen ist alles noch absolut einwandfrei.

Die Reste nach 2 Tagen sind immer noch in Ordnung, Foto: Lena Hilger

FAZIT

Es ist wirklich unglaublich, was andere Leute in die Tonne werfen würden. Müll ist das auf gar keinen Fall gewesen und ich habe genauso gut gegessen, wie wenn ich mir die Lebensmittel aus dem Supermarkt geholt hätte. Normalerweise kaufe ich mir nie Weintrauben, da sie meistens in Plastik verpackt sind. Doch so konnte ich sie retten und habe keinen neuen Abfall produziert. Das ist für mich noch ein Pluspunkt. Zwei Tage Nahrung, ohne einen Cent dafür zu bezahlen und dabei kein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Foodsharing ist für mich eine super tolle Sache, sowohl für die Umwelt, als auch für einen selbst.

Wer jetzt noch behauptet, dass Veganismus doch viel zu teuer wäre, hat nun auch dieses Argument verloren und zwar haushoch.

Lena aus München, Foto: Lena Hilger

 

 


Ich danke Lena für diesen tollen Bericht. Ich finde, man kann dieses Experiment ruhig einmal selbst machen. Foodsharing gibt es auch in meiner Heimat  übrigens.

Vegtastische Grüße!

Sabrina

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Vegtastisch

Vegtastisch

Ich heiße Sabrina und lebe in einem Häuschen bei Neu-Ulm in Bayern. Seit 2016 bin ich Mama eines kleines Bubs. Ich liebe es zu reisen - mit dem Rad, dem Auto, der Bahn. Ich schreibe über die verschiedensten Themen und versuche dabei das Thema Nachhaltigkeit immer im Fokus zu haben.
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