POCKET Kolumne: Foodsharing auch in Ulm

„Du bist mal wieder hungrig einkaufen gegangen und hast noch mehr übrig, als du selbst essen kannst? Dein Kühlschrank ist voll und du fährst für mehrere Wochen in Urlaub? Oder hast du mal wieder zu viel gekocht und bekommst das Kilo Nudeln nicht alleine verputzt?

Dann teile es doch, denn Nahrung ist im Müll am Schlechtesten aufgehoben. Ähnlich dem Vorbild, der Seite foodsharing.de, sollte jeder, der für ihn überflüssige Lebensmittel zuhause hat, sie an andere UMSONST weitergeben. Auch ein Tausch ist möglich!“ – so lautet die Beschreibung der Facebook-Gruppe Foodsharing Ulm. Dort kann jeder mitmachen, egal ob man übrige Lebensmittel anzubieten hat oder selbst übrige Lebensmittel abholen und verwerten will. Aktuell fasst die Gruppe fast 1.700 Mitglieder.

Das Foodsharing-Konzept wurde natürlich nicht in Ulm erfunden. Deutschlandweit gibt es Foodsharing-Gruppen und Foodsharing-Aktivisten. Die Zahl der Teilnehmer wächst erfreulicherweise und gemeinsam versuchen diese der Lebensmittelverschwendung entgegenzuwirken. Mit Erfolg, wie ich finde. Im März wurde in Ulm beispielsweise ein neuer sogenannter Fairteiler eröffnet. Dieser steht seit 10. März im Haus der Begegnung und wurde feierlich eröffnet. In unserer Region gibt es beispielsweise auch für Biberach noch eine Foodsharing-Gruppe bei Facebook . Dort sind es aktuell knapp 400 Mitglieder.

Interview mit Sandro Eiler von Foodsharing Ulm

1. Was ist die Idee hinter Foodsharing im Allgemeinen?

Mit Foodsharing soll ein erster Schritt gegen Lebensmittelverschwendung getan werden. Zum einen ist Foodsharing ein Netzwerk, in dem Lebensmittel bedingungslos geteilt werden können. Außerdem ist das Ziel, so viele Lebensmittel vor der Tonne zu bewahren wie möglich – unter anderem durch Kooperationen mit Lebensmittelbetrieben. Wichtig ist, dass Foodsharing dabei immer als Beispiel dafür, dass wir etwas tun können, gesehen werden sollte, nicht als fertige Lösung. Das retten und teilen von Lebensmitteln soll auch das Bewusstsein für unsere Verschwendung schaffen.

2. Wie gut wird das Konzept des Foodsharing in Ulm bzw. Neu-Ulm gelebt oder umgesetzt? Denkt ihr, es „passiert“ viel?

Seit 2014, als sich die Foodsharing-Gruppe in Ulm, Neu-Ulm und Umgebung gegründet hat, waren wir eine Hand voll Menschen. Inzwischen sind für unser Gebiet mehr als 150 Personen auf foodsharing.de angemeldet, davon schätzungsweise bis zu 60 aktiv. Auch konnten wir in den zweieinhalb Jahren bereits zwei Fairteiler in der Stadt aufbauen. Trotzdem könnte noch viel mehr geschehen, z.B. wenn es darum geht, die Ursachen und Auswirkungen von Lebensmittelverschwendung bewusster zu machen.

3. In der Facebook-Gruppe „Foodsharing Ulm“ können Mitglieder Essen abgeben bzw. auch eine Suche einstellen. Glaubt ihr jedes Angebot findet einen Abnehmer und jedes Gesuch einen Geber?

Jedes Angebot schafft es sicher nicht in einen anderen Magen. Die die allermeisten Sachen gibt es aber Interessent*innen.

4. Was wünscht ihr euch für die Zukunft? Mehr Mitglieder in der Facebook-Gruppe? Treffen? Generell mehr Aktionismus?

Wir wünschen uns, noch mehr Menschen zum bedingungslosen Teilen anregen zu können. Sowohl Lebensmittel als auch andere Dinge wie Kleidung oder aber auch die eigenen Fähigkeiten. Ob das auf facebook, foodsharing.de oder im echten Leben stattfindet, ist dabei egal. Für Foodsharing in Ulm freut sich die Gruppe auf jeden Fall über weitere Menschen, die sich als Lebensmittelretter*innen engagieren wollen.

5. Wer kann mitmachen und gibt es Regeln?

Mitmachen können alle Menschen, die das Prinzip der Schenkkultur mittragen. Beim Lebensmittel teilen gibt es keinen Verkauf und keinen Tausch. Beim Lebensmittelretten bei Betrieben gibt es ein paar Verhaltens- und Hygieneregeln, die sicherstellen, dass Betriebe, Lebensmittelrettende und die Bäuche am Ende zufrieden sind.

6. Könnt ihr kurz den Unterschied zu sogenannten Fairtailern erklären?

Foodsharing.de und die facebook-Seite ermöglichen das Teilen von Lebensmitteln über das Internet.
Dabei wird ein Bild oder eine Beschreibung des Lebensmittels eingestellt und Interessierte können einen Treffpunkt zur Abnahme erfragen.
Fairteiler sind Regale und Kühlschränke, die für alle offen sind. Es können jederzeit Lebensmittel hineingelegt und herausgenommen werden. Damit das funktioniert, muss die Foodsharing-Engagierten die Fairteiler regelmäßig kontrollieren und putzen. Um Risiken zu vermeiden sind in Fairteiler kritische Lebensmittel tabu. Dazu zählen z.B. rohes Hackfleisch oder Eier.
In Ulm haben wir bisher zwei Fairteiler – einen an der Uni Ulm und einen im Haus der Begegnung.

7. Gibt es auch Firmen oder lokale Partner, die sich am Projekt beteiligen?

Im Moment kooperieren mit Foosharing Ulm 7 Betriebe. Manche davon geben täglich Lebensmittel ab, bei anderen wird auf Abruf Essen gerettet.
Außerdem beherbergt das Haus der Begegnung unseren neuesten Fairteiler.

Danke für das Interview an Sandro Eiler, Foodsharing Ulm.

Die Gruppe Foodsharing Ulm aus Sandros Sicht: „Wir sind eine bunte Truppe mit von jung bis alt. Bei uns kann jeder Mensch mitreden und wir bemühen uns um ein möglichst hierarchiefreies Zusammenwirken mit Spaß und Mampf. Es ist wirklich schön zu sehen, wie viel jede einzelne Person bewirken kann, vor allem wenn das Vertrauen in der Gruppe vorhanden ist.“

Weitere allgemeine Infos zum Thema: www.foodsharing.de

Habt Ihr schon Erfahrungen in Sachen Foodsharing gemacht? Ich freue mich auf Eure Kommentare.

Dieser Artikel erschien in verkürzter Form im POCKET Magazin in der Ausgabe April im Rahmen meiner monatlichen Nachhaltigkeits-Kolumne. Das Magazin gibt es an vielen Auslegestellen in Ulm und Neu-Ulm for free.

Vegtastische Grüße!

Sabrina

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Ich heiße Sabrina und lebe mein veganes Leben bei Neu-Ulm in Bayern. Ich bin Fachberaterin für vegane Ernährung. Auf VEGTASTISCH schreibe ich über Hotel- und Restauranttipps, Veranstaltungen, Produktvorstellungen, Rezepte und meine Kochkurse. Natürlich alles 100 % vegan!
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