Bayern vegan – eine kleine Reise

Ich habe schon so viel von der Welt gesehen, daher habe ich mich entschieden Deutschland besser kennenzulernen.

Natürlich war ich auch in Deutschland schon in sehr vielen Ecken. In der bayrischen Hauptstadt München habe ich beruflich bedingt schon mal ein halbes Jahr gewohnt. Ich kenne die Stadt, war schon in vielen Restaurants und kenne mich gut aus. Da ich aber erst seit etwas über einem Jahr vegan/vegetarisch lebe hat sich auch mein Anspruch an die Stadt verändert. Ich kann nicht mehr in jeden Imbissladen gehen und kurz einen Snack für zwischendurch holen. Zum Glück, wenn ich mir überlege was für einen Mist ich früher teilweise gegessen habe…

Veganmania auf dem Karlsplatz. Hierauf hatte ich mich eigentlich seit Tagen gefreut. Jedoch ist genau das eingetreten, was ich befürchtet hatte. Die Veranstaltung ist leider eher enttäuschend. Gerade mal 14 Stände sind hier um eine Bühne aufgebaut, auf der bei unserer Ankunft die Tierrechtsautorin Daniela Böhm eine Rede zum Thema Tierleid hält. Weiß man als Fußgänger möglicherweise nicht, worum es bei der Veranstaltung geht, klingt diese Red wie eine belehrende Predigt mit erhobenem Finger. Man will mit eingezogenem Kopf schnell dran vorbei. Die einzigen Zuhörer sind esotherische Gestalten in Tierschutz-Shirts. Nichts gegen Tierschutz, um Gottes Willen. Versteht mich bitte nicht falsch. Ich bin für den Tierschutz und habe vor Ort auch direkt für die Animals United e.V. gespendet. Ich finde allerdings, dass es ein falscher Ansatz ist auf solchen Veranstaltungen mit erhobenem Zeigefinger zu stehen und die „Fleischfresser“ zu beschimpfen, die sowieso schon einen Bogen um die Veranstaltung machen. Das bringt uns nicht weiter. image

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Wäre es da nicht viel sinnvoller an den Ständen tolles veganes Essen anzubieten um zu zeigen, wie es auch gehen kann anstatt alle Fehler aufzuführen, die Nicht-Veganer begehen? Das Einzige, was heute in diese Richtung auf der Veganmania geboten ist, sind Ecken vegane Hawai-Pizza, die ehrlich gesagt niemanden hinter dem Ofen hervorlocken. Lecker geht definitiv anders.

Die Menschen wissen, dass Fleisch aus Tier besteht. Aber sie wollen nicht darüber nachdenken, was dies im Detail bedeutet. Niemals werden sie mit ihren Kindern einen Ausflug machen zu solch einer Veranstaltung. Natürlich geht man nicht freiwillig zu einem Event bei dem man sich hinterher schlecht fühlt. Wieso auch wenn es doch zeitgleich in München soviel Angebot gibt um seinen Tag zu geniessen ohne belehrt zu werden was für ein schlechter Mensch man ist.

Wir müssen nicht ständig vom Leid der Tiere sprechen. (Grausam, keine Frage!!) Aber einem Tier ist egal, warum wir es NICHT essen. Wäre es also nicht sinnvoller mehr Menschen auf eine vegane Lebensweise zu bringen ohne ständig das Leid der Tiere zu predigen? Wäre es nicht sinnvoller die Menschen stattdessen beispielsweise auf die positiven Effekte für Ihre eigene Gesundheit aufmerksam zu machen? Der Effekt wäre der Gleiche. Es werden Tiere verschont und weniger Fleisch konsumiert. Attila Hildmann hat dazu übrigens gerade ein Interview in der taz gegeben. Auch wenn ich es nicht gut heiße, dass er einen Porsche mit Rindsleder-Ausstattung fährt, ist er dennoch der Erste, der es geschafft hat viele Menschen für den Veganismus zu begeistern. Das muss man ihm lassen.

Es gibt auf der Veganmania auch Kostproben von veganem Käse von Wilmersburger, kleine Häppchen von Wheaty und kleine (Plastik-!)Gläschen mit diverser Vegan-Milch unter anderem von Koko Dairy Free. Alles nett gemeint, aber kaum kommt man  als Besucher an einen Stand wird man belagert und voll gequatscht von den Standbetreuern, die einem erklären, wie viel besser die Welt durch ihre Produkte wird. Nach 10 Minuten schon kann ich die Dame auf der Bühne nicht mehr ertragen und wir beschliesen zu gehen.

Als wir abends nochmals über den Karlsplatz laufen, entdecken wir, dass auch Tierschützer, Veganer und Vegetarier ordentlich Müll hinterlassen… Schade, liebe Veganmania.

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Wir übernachten heute im Louis Hotel München. Ein wunderschönes Hotel mit 72 Zimmern direkt am Viktualienmarkt. Von unserem Market Deluxe Zimmer aus blicken wir aus dem großen Panoramafenster über die Stadt.  Empfangen werden wir mit einem super leckeren Schokoküchlein (leider nicht vegan). Von der Badewanne aus blickt man ins Schlafzimmer. So lässt es sich leben. Bis auf Kleinigkeiten wie, dass es im WC, welches vom Bad getrennt installiert ist kein Handwaschbecken gibt und das wirklich kleine TV-Gerät gibt es am Zimmer nichts auszusetzen. Im Bad gibt es Lotion und Seife von REN. Man fühlt sich auf Anhieb wohl. Leider muss man bei einem Zimmerpreis ab 239 Euro pro Nacht auch ganz schön in die Tasche greifen.

Louis Hotel München am Viktualienmarkt

Louis Hotel München am Viktualienmarkt

Blick aus dem Bad ins Schlafzimmer

Blick aus dem Bad ins Schlafzimmer

Mein Arbeitsplatz im Louis Hotel.

Mein Arbeitsplatz im Louis Hotel.

Die Aussicht vom Market Deluxe Zimmer auf den Viktualienmarkt.

Die Aussicht vom Market Deluxe Zimmer auf den Viktualienmarkt.

Zimmer

Zum Abendessen an diesem Tag zieht es uns ins Hotel Prinz Myshkin. Laut der Website überzeugt das vegan/vegetarische Restaurant des Hauses durch „Ausgewogene vegetarische Küche mit natürlichen Zutaten und Fokus auf Geschmack“. Leider muss ich dieser Aussage komplett widersprechen. Angefangen beim genervten Kellner, einem blonden hageren Kerl, dem man rote Cowboystiefel und Goldkettchen zuschreibt, dem offensichtlich nicht passt, dass wir uns selbst einen Sitzplatz auswählen möchten bis hin zum überteuerten Essen enttäuscht uns diese Adresse komplett. Mag das Hotel an sich sehr schön sein, fühlt man sich in dem Restaurant mit den hohen Decken doch eher wie in einer Kantine. Es ist laut und hektisch, die Kellner sind unfreundlich und ich muss zweimal nach einer neuen Gabel fragen, bis ich sauberes Besteck bekomme. Als das Essen kommt können wir fast nicht fassen, wie viel wir dafür bezahlen müssen. Der Reis ist trocken als wäre er in der Mikrowelle erhitzt worden und insgesamt schmeckt mein indisches Gericht, Malai Kofta für 15,90 Euro leider sehr fad. Dabei erwartet man doch gerade von einem indischen Gericht Schärfe und Geschmacksexplosionen. Zum Bezahlen setzt sich der Kellner zu allem Überfluss auch noch mit seinem Hinterteil auf unseren Tisch. Dieses Restaurant wird leider völlig überbewertet und als IN-Adresse gehandelt. Zu unrecht, wie ich finde. Prinz Myshkin? Nein, danke.

Auszug der Speisekarte im Prinz Myshkin

Auszug der Speisekarte im Prinz Myshkin

Stylisch aber laut und ungemütlich: Prinz Myshkin

Stylisch aber laut und ungemütlich: Prinz Myshkin

Die Gerichte erinnern leider an eine Kantine.

Die Gerichte erinnern leider an eine Kantine.

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Der Grund warum wir uns für einen Aufenthalt im Louis Hotel entschieden haben ist das vegane Frühstücksbuffet. Täglich bis 11 Uhr und Sonntags bis 14 Uhr wird im Emiko Restaurant das Buffet für 24,95 Euro pro Person serviert. Es gibt hier nicht nur veganes Essen sondern auch „normales“ Frühstück mit Rührei und Weißwurst. Der japanische Hintergrund des Restaurants ist auch beim Frühstück zu erkennen, Misosuppe und Spinathäppchen mit Sojasoße. Leider fehlt mir im veganen Teil des Frühstücks das Frühstück. Es sind doch eher Häppchen, die ich als Vorspeise essen würde statt zum Start in den Tag. Schön ist natürlich, dass es Latte Macchiatto mit Sojamilch gibt. Außerdem gibt es eine große Auswahl an frisch gepressten Fruchtsäften. Leider ist die Auswahl nicht so groß wie erwartet. Es gibt keine vegane Butter, keine vegane Wurst und keinen veganen Käse. Auch wenn ich solche Ersatz-Produkte selbst nicht sehr gerne mag finde ich wäre es hier angebracht gewesen.
Das Personal ist supernett aber bereits nach kurzer Zeit sind beispielsweise die aufgebackenen, nicht frischen Brezeln leer. Gerichte, die leer sind werden leider auch nicht mehr bzw sehr langsam und sparsam aufgefüllt. Und das, obwohl ständig noch neue Gäste kommen. Für knapp 25 Euro pro Person hätte ich definitiv mehr erwartet. Vor allem von so einem schönen Haus wie dem Louis Hotel.

Veganes Frühstücksbuffet

Veganes Frühstücksbuffet

Leider wurden die Brezeln nur aufgebacken.

Leider wurden die Brezeln nur aufgebacken.

Kleine Häppchen

Kleine Häppchen

veganes Frühstück

veganes Frühstück

Als Fazit lässt sich sagen, dass es in München bessere Adressen für veganes Essen gibt als das Emiko Restaurant des Louis Hotels. Trotzdem finde ich es toll, dass es solch ein Angebot überhaupt gibt. Leider zu teuer, für das was es am Ende ist.

Nach diesem Frühstück geht es nun in den Olympiapark auf das Tollwood Sommerfestival. Dort erwarten uns zum Mittagessen tolle vegane Döner von Royal Kebabhaus. Für 5,50 Euro kann man sich da wirklich nicht beschweren. Der vegane Dürüm mit Seitanfleisch, Tomaten, Zwiebeln und Salat schmeckt toll. Wenn man möchte bekommt man durch Joghurtsoße auch eine vegetarische Variante. Das Royal Kebabhaus betreibt ein paar Filialen in München aber auch in Braunschweig und Bregenz.

Der Stand von Royal Kebabhaus auf dem Tollwood Sommerfestival

Der Stand von Royal Kebabhaus auf dem Tollwood Sommerfestival

Veganer Dürüm mit Seitanfleisch

Veganer Dürüm mit Seitanfleisch

 

Für die nächste Übernachtung fahren wir ein paar Kilometer aus der Stadt raus nach Giesing ins BOLD Hotel. Hier erleben wir eine wirkliche Überraschung, denn für gerade mal knappe 70 Euro pro Nacht erwartet uns dieses Haus mit wirklich hübschen, einfachen Zimmern mit schönen Bädern. Das kleine Restaurantcafe des Hauses bietet sogar Sojamilch an. Das hatte ich ehrlich gesagt nicht erwartet, denn die Nacht in diesem Hotel war eine spontane Entscheidung. Ich hatte nicht explizit nach einem Hotel mit vegan/vegetarischem Angebot gesucht. Umso mehr freue ich mich über die Sojamilch und werde auch am nächsten Morgen vom Frühstück für 8,80 Euro wirklich sehr positiv überrascht. Vegetarisch kann man hier auf jeden Fall satt werden. Vegan nur, wenn man sich auf Obstsalat, Brötchen mit Marmelade (selbstgemacht!) und Müsli mit Sojamilch beschränkt. Zum Frühstück bietet das Hotel viele selbstgemachte Marmeladen und Holundersirup der alten Schäferei aus Feldkirchen. Toll! Vom Feinschmecker wurde das Hotel übrigens auch für seine gute Küche ausgezeichnet. Leider entdecke ich abends erst auf dem Rückweg ins Zimmer, dass es auch vegetarische Gerichte auf der Karte gab. Wir hätten also auch im Restaurant essen können. Schade, aber ich komme gerne wieder. BOLD Hotel? Daumen hoch!

Frühstücksbuffet im BOLD Hotel

Frühstücksbuffet im BOLD Hotel

Das BOLD Hotel

Das BOLD Hotel

Ein Vegan City Guide für München steht übrigens als PDF-Download beim V-Heft zur Verfügung.

Am vierten Tag unserer Reise geht es nun noch weiter raus aus München über den Chiemsee nach Reit im Winkl. Genauer gesagt ins Veggie-Resort Haus Wiesegg. Gefunden habe ich dieses neue Hotel über Veggie-Hotels.de.

Chiemsee

Chiemsee

Am Ortsrand von Reit im Winkl erwartet uns dieses neu renovierte selbsternannte Veggie-Resort mit 9 Zimmern und einer Ferienwohnung. Die Übernachtungspreise liegen zwischen 36 und 50 Euro per Person pro Nacht inklusive vegan/vegetarischem Frühstück. Wahnsinnig nett ist der Empfang durch die Besitzer persönlich. Das Haus wird aktuell Zimmer für Zimmer frisch renoviert und bietet eine tolle Aussicht aus den Zimmern auf Reit im Winkl. Es ist wunderbar ruhig hier und abends kann man auf seinem Balkon den Fledermäusen beim Jagen zusehen. Ganz anders als in der Großstadt München. Das Hotel lohnt sich also allemal für einen Wochenendabstecher oder auch für einen längeren Urlaub. Ob für Wanderer, Naturliebhaber oder Wintersportler. Das Haus Wiesegg bietet die optimale Lage für alle möglichen Aktivitäten.

Die Besonderheit des Hotels liegt im vegan/vegetarischen Frühstück. Vegan-Wurst und Vegan-Käse, natürlich Sojamilch und vegane Butter stehen den Gästen hier zur Verfügung.

vegan/vegetarisches Frühstück im Veggie-Resort Haus Wiesegg

vegan/vegetarisches Frühstück im Veggie-Resort Haus Wiesegg

"Alpen Veggieness"

„Alpen Veggieness“

Toll ist auch, dass die Besitzerin des Hauses ein Restaurant im Dorf dazu gebracht hat jede Woche zwei wechselnde vegane Gerichte auf die Karte zu nehmen. Das Wirtshaus „Dorfratsch“ bietet also nun neben vielen vegetarischen Gerichten auch den Veganern leckeres Essen an.

Auszug aus der Speisekarte des Wirtshauses "Dorfratsch"

Auszug aus der Speisekarte des Wirtshauses „Dorfratsch“

Im Ort  gibt es natürlich noch weitere Wirtshäuser und Restaurants. Leider muss man sagen, dass es keine Auswahl für Veganer gibt. Für Vegetarier hingegen bietet jede Speisekarte zumindest ein bis zwei Gerichte an. So beispielsweise auch der Gasthof zur Post auf dem Kirchplatz. Hier finden sich um die zehn vegetarische Gerichte und die Auswahl fällt wahrlich nicht leicht. Ich habe mich letztendlich für Semmelknödel mit Pfifferlingsoße entschieden. Und alles richtig gemacht.

Semmelknödel mit Pfifferling-Rahm-Soße

Semmelknödel mit Pfifferling-Rahm-Soße

Nach zwei richtig schönen Tagen verabschieden wir uns aus Reit im Winkl und sind uns sicher nicht zum letzten Mal hier zu Gast gewesen zu sein.

Vegtastische Grüße!

Sabrina

 

 

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Vegtastisch

Ich heiße Sabrina und lebe in einem Häuschen bei Neu-Ulm in Bayern. Seit 2016 bin ich Mama eines kleines Bubs. Ich liebe es zu reisen - mit dem Rad, dem Auto, der Bahn. Ich schreibe über die verschiedensten Themen und versuche dabei das Thema Nachhaltigkeit immer im Fokus zu haben.
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