Schwörmontag ist der Tag, an dem sich Ulm jedes Jahr selbst daran erinnert, wem die Stadt gehört: den Bürgern. Der Oberbürgermeister tritt auf den Balkon des Schwörhauses, legt öffentlich Rechenschaft ab und schwört, „Reichen und Armen ein gemeiner Mann zu sein“. Danach kippt die Stadt in den Ausnahmezustand: Nachmittags treiben Tausende Menschen auf allem, was schwimmt, die Donau hinunter. Das ist das Nabada. Gefeiert wird am vorletzten Montag im Juli.
Der nächste Schwörmontag ist Montag, der 19. Juli 2027.
Die Termine auf einen Blick
- Schwörmontag 2027: Montag, 19. Juli
- Schwörfeier: 11 Uhr, Weinhof 12
- Nabada: ab 16 Uhr auf der Donau, Ziel ist die Friedrichsau
- Lichterserenade: Samstag davor, ab 20 Uhr
- Schwörkonzert: Samstag davor, 19 Uhr im Ulmer Münster
- Schwörgottesdienst: Sonntag davor, 9:30 Uhr in der Wengenkirche
- Fischerstechen: nur alle vier Jahre, zuletzt 2025, das nächste voraussichtlich 2029
Die Uhrzeiten folgen dem Ablauf von 2026. Die Stadt bestätigt die Termine jeweils im Frühjahr.
Es war wieder soweit – Schwörmontag in Ulm! Dieser besondere Tag, der jedes Jahr am vorletzten Montag im Juli gefeiert wird, ist ein fester Bestandteil der ulmerischen Tradition und ein wahrer Höhepunkt im Veranstaltungskalender der Stadt. In diesem Blogartikel möchten wir dir einen Einblick in die faszinierende Geschichte und die einzigartigen Bräuche des Schwörmontags geben.Der Ursprung des Schwörmontags
Die Tradition des Schwörmontags geht auf das Jahr 1397 zurück, als Ulm als freie Reichsstadt eine besondere Vereinbarung mit den Bürgern traf. Die feierliche Zeremonie hat bis heute überdauert und ist zu einer festen Tradition geworden. Schon Tage vorher wird die Stadt mit Fahnen beflaggt und alle sind in einer ganz besonderen Stimmung.Die Wurzel liegt sogar noch tiefer. Schon 1345 besiegelte der Kleine Schwörbrief einen Kompromiss zwischen dem stadtadeligen Patriziertum und den Handwerkerzünften – nach blutigen Machtkämpfen im 14. Jahrhundert. Der Große Schwörbrief von 1397 verschob die Machtverhältnisse dann endgültig: Von da an saßen 47 Zunftvertreter im Rat und nur noch 25 Patrizier. Handwerker regierten die Stadt.
Die Feiern fanden zunächst unter freiem Himmel auf dem Weinhof statt. 1612/13 wurde das Schwörhaus gebaut – seitdem spricht der Oberbürgermeister den Eid von dessen Balkon.
Zweimal riss die Tradition ab. Kaiser Karl V. unterbrach sie im 16. Jahrhundert. 1802 endete sie ganz, als Ulm nach Napoleons Siegen seinen Status als freie Reichsstadt verlor. Erst nach 1949 holte Oberbürgermeister Theodor Pfizer den Schwörmontag zurück – diesmal als demokratische Rechenschaft statt als Herrschaftsritual.
Ein Missverständnis gleich vorweg: Es schwören nicht die Bürger. Es schwört der Oberbürgermeister – vor ihnen.
Der Höhepunkt des Schwörmontags
Der Höhepunkt des Schwörmontags ist traditionell gesehen zweifellos die Schwörfeier, bei der der Oberbürgermeister von Ulm vom Schwörhaus eine Rede für seine Bürger hält. Hier legt er den Bürgern den Schwur ab und bekräftigt damit das Vertrauen und die Verantwortung zwischen Stadt und Bürgern. Der Wortlaut ist seit Jahrhunderten derselbe: „Reichen und Armen ein gemeiner Mann zu sein in den gleichen, gemeinsamen und redlichen Dingen ohne allen Vorbehalt.“ Das ganze Ereignis wird von einer einzigartigen Atmosphäre begleitet, während die Menschen gespannt zuhören und die Verbundenheit mit ihrer Stadt spüren.
Lichterserenade auf der Donau
Immer am Samstag vor dem Schwörmontag, entfaltet sich entlang der Donau ein faszinierendes Spektakel. Sobald die Sonne hinter dem Horizont verschwindet und die Dunkelheit hereinbricht, erwacht die Uferpromenade zum Leben. Über 8.000 Windlichter, sanft auf den Wellen schaukelnd, verwandeln die Donau in ein funkelndes Meer aus lebendigen Farben. Die kleinen Lichter treiben harmonisch flussabwärts und zaubern ein kilometerlanges Lichterband bis hin zur Friedrichsau. Doch das ist noch nicht alles: Zeitgleich schwebt ein Floß über dem Wasser, beladen mit Feuerwerkskörpern. Der Nachthimmel erstrahlt in buntem Glanz, wenn die Feuerwerke gen Himmel schießen und die Donau in ein funkelndes Farbenspiel tauchen. Wasserfontänen, kunstvoll aus Feuerwehrrohren inszeniert, steigen empor und lassen die Donau in einem zauberhaften Licht erstrahlen. Römische Lichter tanzen grell aufsprühend über die Flussoberfläche und vervollständigen das beeindruckende Schauspiel. Die Lichterserenade kündigt mit großer Freude den nahenden Schwörmontag an.
Die Festzüge und das bunte Treiben
Neben der Schwörfeier gibt es rund um den Schwörmontag auch farbenfrohe Festzüge, bei denen historische Gruppen, Vereine und Musikkapellen durch die Straßen von Ulm ziehen. Die Teilnehmer präsentieren stolz ihre traditionellen Trachten und führen Tanz- und Musikdarbietungen auf. Das bunte Treiben schafft eine fröhliche Atmosphäre und lädt zum Mitfeiern ein.Fischerstechen
Ein außergewöhnliches Spektakel erwartet die Besucher alle vier Jahre an den beiden Sonntagen vor dem Schwörmontag: das Ulmer Fischerstechen. Zuletzt fand es 2025 statt, das nächste ist voraussichtlich 2029 – wer nur deswegen anreist, sollte also vorher nachsehen. Ein farbenprächtiger Umzug mit fast 300 kostümierten Teilnehmern eröffnet die Veranstaltung an beiden Vormittagen. Ihre historischen Gewänder lassen die faszinierende Geschichte der Stadt Ulm jedes Mal aufs Neue lebendig werden. An verschiedenen Plätzen werden unter begleitender Trommelmusik die traditionellen Tänze der Fischerzunft aufgeführt, ein wahrer Augenschmaus für alle Kulturinteressierten. Doch das Herzstück des Events sind die 16 Stecherpaare, die am Nachmittag beim eigentlichen Fischerstechen gegeneinander antreten. In einem historischen Wettkampf, vergleichbar mit einem Ritterturnier, allerdings ohne Pferde, begeben sich die Kontrahenten in schmalen Booten, den sogenannten Zillen, auf das Wasser. Ziel ist es, sich gegenseitig mit Speeren ins Wasser zu stoßen, eine beeindruckende Demonstration von Geschicklichkeit und Kampfgeist.
Das Nabada – Ein Wasserfest der besonderen Art
Das Nabada ist deutlich jünger als der Schwur. Es entstand aus dem sogenannten „Bäuerle-Herunterfahren“ und wurde 1927 erstmals offiziell veranstaltet. Anfangs durften nur bestimmte Vereine aufs Wasser. Seit Ende der 1960er Jahre darf jeder mit – mit Floß, Schlauchboot, Luftmatratze oder was auch immer trägt. 2015 wurden 60.000 Besucher geschätzt.
Der Höhepunkt des Schwörmontags beginnt ab 16 Uhr mit dem aufregenden Nabada, auch bekannt als das „Hinunterbaden“ auf der Donau. Hierbei entfaltet sich ein karnevalistischer Wasserumzug, der von zahlreichen enthusiastischen „Wasserratten“ in Booten, Flößen und sogar schwimmend begleitet wird. Fantasievoll gestaltet und kunstvoll in Szene gesetzt, präsentieren offizielle Themenboote, gestellt von Vereinen und Gruppen, humorvolle Karikaturen aktueller Politik und kommunalen Geschehnissen. Am Ende des ereignisreichen Tages haben die Zuschauer die Möglichkeit, ihre Stimme für das „originellste“ Themenboot und die „fleißigste“ Musikkapelle abzugeben. Doch egal ob Themenboot, Musikkapelle oder wilde „Nabader“, alle steuern gemeinsam das Ziel an: die Friedrichsau. Hier verwandelt sich das Ende des Nabada in eine gemütliche Hockete, bei der alle zusammenkommen und den Abend genießen.
Was am Schwörmontag praktisch anders ist
Ulm arbeitet an diesem Tag nur halb. Die städtischen Dienststellen schließen um 10:30 Uhr, der Einzelhandel macht mittags oder am frühen Nachmittag dicht. Ein gesetzlicher Feiertag ist der Schwörmontag nicht – für Ulm fühlt er sich trotzdem wie einer an. Wer etwas einkaufen will, erledigt das besser vorher.
Die Schwörrede gibt es auch im Livestream, wenn du nicht in der Menge auf dem Weinhof stehen willst.
Mit Kindern: Der Vormittag gehört der Rede, der Nachmittag dem Wasser. Wenn ihr euch für eins entscheiden müsst, nehmt das Nabada. Für Kinder ist die Rede zäh, das Treiben auf der Donau nicht.
Gemeinschaft und Tradition
Der Schwörmontag ist mehr als nur ein Tag der Feierlichkeiten – er symbolisiert die starke Gemeinschaft und das Zusammengehörigkeitsgefühl der Ulmerinnen und Ulmer. Es ist eine Zeit, in der die Menschen stolz auf ihre Stadt sind und ihre Verbundenheit zum Ausdruck bringen. Die Traditionen und Bräuche des Schwörmontags werden von Generation zu Generation weitergegeben und prägen das kulturelle Erbe der Stadt. Der Schwörmontag ist ein einzigartiges Fest, das die Tradition und den Stolz der Stadt Ulm zum Ausdruck bringt. Von der feierlichen Schwörfeier über die bunten Festzüge bis hin zum fröhlichen Nabada bietet dieser Tag ein unvergessliches Erlebnis für alle Teilnehmer. Der Schwörmontag ist ein Tag, den du nicht verpassen solltest. Lass dich von der festlichen Atmosphäre mitreißen und erlebe Ulm von seiner besten Seite! Jedes Jahr aufs Neue!Häufige Fragen zum Schwörmontag
Wann ist der Schwörmontag?
Immer am vorletzten Montag im Juli. 2027 fällt er auf den 19. Juli.
Ist der Schwörmontag ein Feiertag?
Kein gesetzlicher. Die städtischen Ämter schließen um 10:30 Uhr, viele Geschäfte mittags oder am frühen Nachmittag.
Was heißt Nabada?
Schwäbisch für „hinunterbaden“. Ab 16 Uhr treiben Boote, Flöße und Menschen die Donau hinunter bis zur Friedrichsau.
Kann man beim Nabada mitmachen?
Ja. Seit Ende der 1960er Jahre sind auch freie Boote und Flöße zugelassen, nicht mehr nur Vereine.
Wann ist das nächste Fischerstechen?
Voraussichtlich 2029. Es findet nur alle vier Jahre statt, zuletzt 2025.
Was genau schwört der Oberbürgermeister?
„Reichen und Armen ein gemeiner Mann zu sein in den gleichen, gemeinsamen und redlichen Dingen ohne allen Vorbehalt.“
Seit wann gibt es den Schwörmontag?
Die Schwurformel geht auf den Kleinen Schwörbrief von 1345 zurück, der Große Schwörbrief stammt von 1397. Nach der Unterbrechung ab 1802 wurde die Tradition nach 1949 wieder aufgenommen.
Offizielle Infos der Stadt: Schwörmontag auf ulm.de und Das Ulmer Fischerstechen.
Nabada 2026 in Bildern
So sah das Nabada 2026 aus: Bootskorso mit politischen Motiven, tausende Schlauchboote auf der Donau und Ufer, die schon Stunden vorher voll waren. Alle Bilder sind vom Schwörmontag 2026 und selbst geknipst.









