POCKET KOLUMNE: Mikroplastik – eine unterschätztes Problem

Einer aktuellen Studie zufolge nimmt jeder Mensch im Durchschnitt fünf Gramm Mikroplastik pro Woche zu sich. Im ersten Moment klingt diese Zahl zumindest nicht besorgniserregend hoch, doch das ändert sich schnell, wenn man sie visualisiert: Fünf Gramm entsprechen exakt dem Gewicht einer Kreditkarte. Was zugegeben nicht nur in kulinarischer, sondern auch in körperlicher Hinsicht keine appetitliche Vorstellung ist. Mikroplastik befindet sich überall. Im Meer. In Kosmetik. In den Böden, auf denen unsere Nahrungsmittel angebaut werden. Selbst in der Luft. Den Kontakt damit gänzlich zu vermeiden, ist somit utopisch.

Aber was genau ist Mikroplastik eigentlich? Welche Gefahren bringt es mit sich? Und wie kann man als Verbraucher aktiv Einfluss darauf nehmen, dass davon weniger in die Umwelt (und somit schlussendlich auch in den eigenen Körper) gelangt?

Unter Mikroplastik versteht man per Definition alle festen sowie wasserunlöslichen Kunststoffpartikel, welche kleiner als fünf Millimeter und dadurch mit dem bloßen Auge kaum zu erkennen sind. Hierbei wird noch einmal zwischen primärem und sekundärem Mikroplastik unterschieden.

Zu primärem Mikroplastik zählt unter anderem das industriell hergestellte Grundmaterial in Form von kleinen Pellets, welche zur Weiterverarbeitung in der Kunststoff- und Kosmetikproduktion dienen. Der Abrieb von Autoreifen sowie synthetische Fasern aus Kleidungsstücken, die sich während des Waschens herauslösen und folglich in den Abwasserkreislauf gelangen, zählen ebenfalls zu primärem Mikroplastik, da die entsprechenden Teilchen bereits bei Eintritt in die Umwelt nur wenige Millimeter Durchmesser haben.

Als sekundäres Mikroplastik gelten wiederum ursprünglich größere Kunststoffpartikel (sog. Makroplastik) wie zum Beispiel PET-Flaschen, Verpackungen und Plastiktüten, deren Zerfall durch Umwelt- und Wettereinflüsse wie Wind, Wasser und Sonne herbeigeführt wird und sich über Jahre und oftmals sogar Jahrzehnte hinziehen kann.

Beide Varianten sind gleichermaßen bedenklich. Während die konkreten Auswirkungen von Mikroplastik auf den menschlichen Organismus noch nicht ausreichend erforscht sind, stößt man in den Medien oder auch innerhalb von sozialen Netzwerken immer wieder auf Bilder, die qualvoll verendete Tiere zeigen. Tiere, die sich in Plastikteilen verfangen oder diese gefressen haben. Ob Wale, Vögel oder Fische. Wenn Fische oder Muscheln Mikroplastik aufnehmen, das sich vorab im Wasser mit Bakterien und Giftstoffen angereichert hat, landet es durch den Verzehr dieser Lebensmittel auch automatisch wieder auf unserem Teller. Ein ewig währender Kreislauf.

Was kann man also konkret tun, um den eigenen Anteil an der Entstehung und Verbreitung von Mikroplastik zu reduzieren?

Kosmetik und Pflegeprodukte

Aufgrund ihrer rauen Oberfläche und dem damit einhergehenden Schleif- oder Massageeffekt, kommen die oben genannten Kunststoff-Pellets oft in Kosmetik oder Körperpflegeprodukten wie Duschgel, Peeling oder auch Zahnpasta zum Einsatz. Mittlerweile kennzeichnen viele Drogeriemärkte und Einkaufsläden ihre mikroplastikfreien Artikel durch gut sichtbare Hinweisschilder an den Regalen. Auch auf der Verpackung des jeweiligen Produktes ist oft schon deklariert, dass es frei von Plastikbestandteilen ist. Oft, aber nicht grundsätzlich. Ein kritischer Blick auf die Inhaltsstoffe lohnt sich also. Doch woran erkennt man, ob Mikroplastik vorhanden ist?

Hier eine Liste der gängigen Bezeichnungen:

  • Polyethylen (PE)

  • Polypropylen (PP)
  • Polyethylenterephtalat (PET)
  • Nylon-12
  • Nylon-6
  • Polyurethan (PUR)
  • Acrylates Copolymer (AC)
  • Acrylates Crosspolymer (ACS)
  • Polyacrylat (PA)
  • Polymethylmethacrylat (PMMA)
  • Polystyren (PS)

Um nicht alle dieser Begriffe auswendig lernen zu müssen, kann man sich die alternativ auch die App von Codecheck auf sein Smartphone laden. Einfach den Strichcode auf der jeweiligen Verpackung scannen und schon wird einem angezeigt, welche Inhaltsstoffe sich darin verstecken. Wer zu 100% auf Nummer Sicher gehen will, greift am besten direkt zu zertifizierter Naturkosmetik, da diese grundsätzlich frei von solchen Zusätzen ist.

Bekleidung

Kunstfasern wie Acryl oder Polyester stellen eine der größten Verursacher von Mikroplastik in den Gewässern dar. Wie weiter oben schon beschrieben, lösen sich bei jedem Waschgang etliche dieser Fasern aus der Kleidung. Aufgrund ihrer geringen Größe landen sie so mit dem Abwasser in der Kläranlage und können selbst dort nicht rückstandslos herausgefiltert werden. Die Zugabe von Weichspüler verstärkt das Ablösen einzelner Fasern zusätzlich, sodass darauf grundsätzlich – oder zumindest bei synthetischen Stoffen – verzichtet werden sollte.

Da faire und nachhaltige Mode aus Naturfasern jedoch (zurecht) ihren Preis hat und dadurch nicht unbedingt für jeden erschwinglich ist, kann man sich für die bereits vorhandenen Kleidungsstücke (ob Synthetik oder Mischgewebe) einen eigens dafür konzipierten Wäschebeutel zulegen, der das Mikroplastik während des Waschgangs auffängt und einschließt.

Den eigenen Plastikverbrauch grundsätzlich reduzieren

Ob verpackte Lebensmittel, die Plastiktüte beim Einkaufen oder der Coffee to go: Die Beobachtung des eigenen Konsumverhaltens gibt Aufschluss darüber, wie viel unnötiges Plastik sich insgesamt einsparen lässt. Und das oft schon mit ganz einfachen Mitteln. Wer auf wiederverwendbare Obst- und Gemüsenetze und auffüllbare Trinkflaschen aus Glas setzt; seine Lunchbox zu Hause vorbereitet, statt sich an der Salatbar im Laden nebenan etwas abzufüllen oder lieber einmal Geld in ein qualitativ hochwertiges Shirt aus Biobaumwolle investiert, statt die Fast-Fashion-Industrie zu unterstützen, trägt mit der Umsetzung all dieser Punkte dazu bei, dass weniger Mikroplastik in Umlauf gerät. Im Internet finden sich zahlreiche weitere Anregungen zu diesem Thema. Weil man nicht nur sich selbst, sondern auch der Umwelt mit vielen kleinen Dingen einen großen Gefallen tun kann.

Weiterführende Infos: Auflistung kritischer Inhaltsstoffe


Dieser Artikel erschien ebenfalls im POCKET Magazin für Ulm und Umgebung im Rahmen meiner monatlichen Kolumne (Ausgabe Februar).

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Vegtastische Grüße!

Sabrina

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