Die Future Fashion Tour Ulm

Die Future Fashion Tour zeigt Modebegeisterten, wo in Ulm sie nachhaltige Alternativen finden. In Stuttgart läuft die Tour bereits seit ein paar Jahren sehr erfolgreich, in Ulm ist sie im Winter 2019 gestartet und wurde sehr gut angenommen. Alle vier Termine waren bisher ausgebucht. Wir haben mit Anna gesprochen, die die Tour in Stuttgart und Ulm koordiniert.

Was ist das Besondere an der Future Fashion Tour?

Bei unserem Rundgang stehen der bewusste Konsum und die Freude an Mode im Vordergrund. Wir informieren quasi nebenbei über Hintergründe, Siegel und Ökobilanzen. Vor allem wollen wir zeigen, dass nachhaltiges Einkaufen im Textilbereich gar nicht so schwierig ist! Dafür gehen wir mit den Teilnehmenden direkt zu den alternativen Läden. Weil, wenn sie sich sozusagen mit uns ‚rein gewagt‘ haben, dann steigt die Chance, dass sie das nächste Mal dort statt in einem „Fast Fashion“-Shop einkaufen.

Was genau bedeutet „Fast Fashion“? Und ist „Future Fashion“ der Gegenentwurf?

Genau! Der Begriff Fast Fashion beschreibt die konventionelle Modeindustrie ganz gut. Dort wird in komplexen Lieferketten sehr schnell ständig neue, kurzlebige Mode produziert. Diese Mode ist gar nicht darauf ausgelegt, dass wir sie lange behalten und gerne weitergeben. Und Initiativen wie Femnet oder die Kampagne für saubere Kleidung zeigen immer wieder auf, wie verheerend die Arbeitsbedingungen in der Modeindustrie sind. Future Fashion will vorstellen, welche anderen Ansätze es schon gibt. Für uns ist Future Fashion zukunftsfähige Mode. Also nicht nur ausgefallene, neue Konzepte, sondern gerade auch Altbekanntes wie Teilen, Tauschen, Reparieren, …

Und wer steckt hinter Future Fashion?

Das ist ein Gemeinschaftsprojekt, an dem sich neben der Stiftung Entwicklungszusammenarbeit und der Jugendinitiative der Nachhaltigkeitsstrategie viele Partner in ganz Baden-Württemberg beteiligen. Der Rundgang in Ulm wird vom Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz finanziert, bei vielen unserer Veranstaltungen sind aber auch Ehrenamtliche im Einsatz. Das ist vor allem bei Kleidertausch Events nicht schlecht, da sind viele tatkräftige Hände gefragt.

Wie genau läuft so ein Kleidertausch denn ab?

Das ist sehr unterschiedlich! Ein Kleidertausch funktioniert schon in kleinem Kreis mit ein paar Freundinnen und Freunden. Alle bringen Kleidungsstücke mit, die sie nicht mehr tragen und stöbern in den Sachen der anderen, ob ihnen etwas gefällt. Wenn wir einen öffentlichen Kleidertausch veranstalten, legen wir meist eine Obergrenze fest. Die Tauschenden dürfen zum Beispiel maximal 7 Teile mitbringen, die in sauberem und intaktem Zustand sein sollen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es gut funktioniert, wenn auch diejenigen, die weniger oder nichts mitgebracht haben, stöbern dürfen. Meist bleibt nämlich immer noch viel übrig, was wir dann an die Aktion Hoffnung weitergeben.

Und wann können wir mit einem Future Fashion Kleidertausch in Ulm rechnen?

Bislang sind wir hier nur mit der Future Fashion Tour hier aktiv. Denkbar sind aber auch Future Fashion Upcycling- und andere Workshops oder eben Kleidertauschevents. Sowas gibt es aber auch schon in Ulm! Gute Anlaufstellen sind da die Hochschulgruppe für Nachhaltigkeit, das Repair Café, die Lokale Agenda Ulm 21 oder der Weltladen. Future Fashion unterstützt aber auch gerne diejenigen, die selbst einen Kleidertausch auf die Beine stellen wollen, aber ein wenig Beratung oder Hilfe brauchen.

Nun nochmal zurück zur Future Fashion Tour. Wie läuft so eine Tour denn genau ab? Was erwartet die Teilnehmenden?

Im Grunde ist das ähnlich wie bei anderen Stadtführungen auch. Vom Treffpunkt aus schlendern wir gemeinsam von Station zu Station, wo wir jeweils ein paar Hintergründe erfahren und uns vor allem aber austauschen. Wir haben die Themen faire Mode, vegane Kleidung, Second Hand, Reparieren, Tauschen und öko-faire Funktionskleidung im Gepäck. An jedem Stopp gibt es aber nicht nur Infos, sondern immer auch ein Beispiel und weitere Hinweise, wo in Ulm man alternative Anlaufstellen findet.

Welche Möglichkeiten hat man denn in Ulm, nachhaltig Textilien zu konsumieren?

Am allerwichtigsten ist es uns, zu vermitteln, dass es auch darauf ankommt, weniger zu kaufen. Wenn man bedenkt, dass in Deutschland jedes Jahr ca. 62.000 Lkw voller Altkleider anfallen, dann wird klar, dass wir es derzeit einfach übertreiben. Deshalb sprechen wir auf der Tour auch viel über Wertschätzung, langes Tragen, Reparatur und Pflege. Und, um dem eigenen Kleiderschrank ein Update zu verpassen, ist die ‚nachhaltigste‘ Variante, gebrauchte Kleidung weiter zu nutzen. Sprich: Kleider tauschen oder Second Hand kaufen. Da hat Ulm einiges zu bieten: Die Läden von Oxfam, der Aktion Hoffnung (Secontique) und der neuen Arbeit sind einige Beispiele, die sogar noch gemeinnützig arbeiten.

Und, wenn man doch mal ‚was Neues‘ möchte?

Dann gibt es Geschäfte, die auf eine faire und ökologisch verträgliche Produktion Wert legen. Immer mehr Modelabels und Verbraucherinnen und Verbraucher fangen an, sich damit zu beschäftigen. Trotzdem sind noch ein sehr, sehr kleiner Teil der Kleidungsstücke fair und ökologisch hergestellt. In Ulm gibt’s tolle Läden wie Fischerins Kleid oder den Weltladen. Generell kann ich einen Blick auf die ‚Karte von morgen‘ empfehlen, auf der viele nachhaltige Alternativen eingezeichnet sind.

Zum Schluss ist es natürlich noch spannend zu wissen, wann es denn die nächste Möglichkeit geben wird, mit Future Fashion auf Tour zu gehen?

Dafür gibt’s generell zwei Möglichkeiten: Entweder können Interessierte sich für einen unserer Rundgänge anmelden. Dafür lohnt sich ein Blick auf futurefashion.de oder auf unser Instagram-Profil. Als zweite Möglichkeit bieten wir an, dass man eine eigene Tour mit uns vereinbart. Dafür sollte man eine Gruppe von ca. 10 bis 20 Personen sein und mit Terminvorschlägen auf uns zukommen. Wir freuen uns!


Danke, Anna, dass Du uns einen Einblick in die Future Fashion Tour gegeben hast.

Mehr Informationen: futurefashion.de

Vegtastische Grüße

Sabrina

Vegtastisch