Gastartikel: Vegan auf Hochzeiten unterwegs

Vor einiger Zeit hatte ich bei Facebook einen Aufruf gestartet um Blogger zu finden, die auf meinem Blog in Form von Gastbeiträgen über ihre Lieblingsstadt oder Heimatstadt berichten. Letzte Woche gab es beispielsweise schon einen interessanten Bericht zum veganen Angebot in Kapstadt. Von Sam und Alex von SAMsationen  gibt es nun einen Gastbeitrag, der zwar nicht von einer Stadt handelt, dafür aber das Problem mit veganem bzw vegetarischem Essen auf Hochzeiten schildert. Das Thema kenn ich natürlich selbst auch – sowohl von Hochzeiten als auch von sonstigen Feiern. Ich wünsche viel Spaß beim Lesen!

„Ich bin Alex und gemeinsam mit meinem Mann Sam bin ich viel in der Hochzeitsbranche tätig. Er als professioneller DJ auch auf vielen Veranstaltungen, ich vor allem als Tanzlehrerin. Ernährung spielt in unserem Leben mittlerweile eine zentrale Rolle, da wir auch der festen Überzeugung sind, dass es eins zu eins mit der persönlichen Gesundheit und Wohlbefinden zusammen hängt. Vor zwei Jahren starteten wir unsere Ernährungsumstellung – hundertprozentige Veganer sind wir noch nicht, aber unsere Reise hat ja auch erst begonnen. Eine Herausforderung ist es für uns immer, wenn wir auf Hochzeiten oder Events arbeiten und dann nicht die freie Menü-Wahl haben.

Als Sabrina auf der Suche nach Gastbloggern war, die über ihr veganes Leben in ihrem Heimatort schreiben wollen, musste ich irgendwie an das letzte vegetarische Menü denken, dass wir auf einer Hochzeit bekommen haben… 3 Möhren, 2 Stück Spargel (man konnte es nicht wirklich Stange nennen), einen Schöpfer Risotto und das Ganze mit einem Klecks geschäumter Sahne-Sauce abgerundet. Neben dem tellerfüllenden Schnitzel waren wir dann doch etwas neidisch. Und vor allem hungrig…

Wir, das sind mein Mann Sam und ich – wir arbeiten in der Hochzeitsbranche und einer von uns oder wir beide sind nahezu jedes Wochenende unter der Mission Hochzeit unterwegs.

 

Unser Ernährungsweg

 

Wenn man uns fragt als was wir uns bezeichnen, dann sagen wir meist „wir essen einfach kein Fleisch mehr“ – da kommen weniger Nachfragen. Wir sind definitiv keine Veganer, so weit sind wir noch nicht und so mancher Veganer würde auch nur den Kopf schütteln, wenn wir sagen, wir wären Vegetarier.

Mittlerweile ja ein doch ziemlich weit gefasster Begriff, je nach persönlicher Ernährungsvorlieben auch durchaus mal passend gemacht.

Vor ca. 2 Jahren haben wir angefangen auf Fleisch zu verzichten. Ich habe immer schon sehr wenig gegessen, aber mir nie so richtig Gedanken darüber gemacht. Auslöser war, dass wir uns nach dem Essen immer häufiger einfach unwohl fühlten, oft ziemlich schlapp. Wir fingen an, uns mit verschiedenen Filmen über Ernährung zu beschäftigen, was dem Menschen gut tut und wo unsere Nahrung eigentlich her kommt. Wir lasen Bücher zu veganer Ernährung von Dahlke, Gerson und anderen Autoren und fingen an zu experimentieren.

Zuerst hörten wir auf Fleisch zu essen, ziemlich abrupt sogar von heute auf morgen. Als nächstes war die Milch dran, da mein Mann mit Verdacht auf Laktose-Intoleranz diagnostiziert wurde. Wenn man so hört wie Milch produziert wird und welchen Keimgehalt die hat, abgesehen davon, dass sie wohl das Osteoporose-Risiko erhöht, hat man eh keinen Appetit mehr darauf. Seitdem haben wir auch nie wieder einen Tetrapack Kuhmilch nach Hause gebracht. Wenn man einmal anfängt mit Ernährungswissenschaften, dann hört man nicht mehr auf: Gluten ist die nächste Herausforderung auf unserer Liste, die wir durch Hafer, Dinkel und andere Getreide oder Scheingetreide ersetzen so gut es geht. Naja und der Zucker in Form von Schokolade und Süßigkeiten ist noch immer mein persönliches Laster.

Unsere Motivation für das Umdenken waren damals tatsächlich gesundheitliche Gründe und weniger das Tierwohl. Erst mal ziemlich egoistisch… Wenn man sich mit dem einen beschäftigt, dann kommt das andere automatisch dazu und man möchte auch gar nicht mehr, dass ein Tier für den eigenen Konsum getötet wird. In unserem Fall zumindest schon mal so tolle Säugetiere wie Kühe und Schweine und natürlich auch alle Arten von Geflügel.

Daher wird noch Fisch und Eier essen, sind wir noch verhältnismäßig flexibel was unsere Ernährung angeht, wobei wir hier versuchen, v.a. bei den Eiern auf Bio-Qualität zu setzen. Daher unser absolutes Laster Sushi ist, konnten wir den Fisch auch noch nicht von unserer Speisekarte streichen. Wobei wir hier auch sehr selektiv unterwegs sind und versuchen, es nicht zu übertreiben.

Vielleicht werden wir uns den Rest unseres Lebens in so einer vegetarischen Mischform ernähren, vielleicht gehen wir den Weg auch noch weiter hin zu 100% Veganern. Je länger wir vom Fleischkonsum weg sind, umso mehr fällt uns auf, wie sich Geschmäcker ändern. Manche Dinge, die man vorher total gerne gemocht hat, lachen einen überhaupt nicht mehr an. Und den umgekehrten Fall gibt es natürlich auch ganz oft. Als ich letztens meinen Salat statt mit Camembert-Ecken mit panierten Hühnchen-Ecken (seid wann sind Hühnchen eckig?) bekommen habe, die leider optisch identisch aussahen, konnte ich es einfach nicht essen. Früher wäre das kein Thema gewesen…

Zusammenfassend kann ich nur sagen, dass wir uns gesundheitlich deutlich besser fühlen und der Verzicht auf Fleisch und Milch unsere Ernährungspalette durch neu entdeckte Lebensmittel unglaublich bereichert hat. Abgesehen davon, dass auch ein paar Kühe weniger leiden müssen und man der Umwelt damit auch direkt etwas Gutes tut.

Vegan auf Hochzeiten – geht das?

Aber zurück zu dem eigentlich einleitenden Gedanken zu diesem Artikel. Vegan auf Hochzeiten – ist das überhaupt möglich? Hm, die Antwort ist wohl ein eindeutiges JEIN. Vegetarisch ist einfach – eine Fischalternative gibt es eigentlich immer. Eine rein vegane Auswahlmöglichkeit wirklich extrem selten.

Zwar sind die Menüs oft auch mal ohne Fisch oder Fleisch verfügbar, dann aber dafür mit Ei, Käse oder Sahne. Lecker Spinatknödel? Sind mit Ei…. Auberginen-Frischkäse-Canneloni – mit Käse. Ricottaravioli mit Safranschaum? Total lecker, aber Käse und Sahne…

So könnte man noch unendlich weiter machen. Ich finde es ja schon toll, wenn die Brautpaare überhaupt fest eine vegetarische Alternative anbieten. Oft waren wir auch schon auf Hochzeiten, da war die Alternative nicht einmal auf die Menü-Karte gedruckt. Ich fühle mich dann immer ein bisschen, als ob ich die Extra-Wurst verlangen würde aber nun gut, da kann man nichts machen.

Interessant wird es auch immer bei den Suppen: je tiefer man auf dem bayerischen Land ist, umso unwahrscheinlicher ist es, dass man eine Hochzeitssuppe (dann bitte ohne die Leberspätzle…) mit Gemüsebrühe bekommt. Das ist halt nunmal eine klassische Rinderbrühe.

Auch in Sachen Buffets habe ich eine ziemlich gemischte Meinung. Auf Hochzeiten gibt es unterschiedliche Varianten:

  • Vorspeise und Dessert eingedeckt, Hauptgang Buffet

 

  • alles Buffet

 

  • nur Dessertbuffet

Persönlich bevorzuge ich die Variante „alles Buffet“. Da kann man sich nämlich an den Vorspeisen satt essen. Neben den verschiedensten Salaten gibt es dann auch oft lecker Antipasti oder kleine vegetarische oder sogar vegane Häppchen. Den Hauptgang lasse ich dann meistens direkt aus, weil man meistens doch nur die Wahl zwischen Fisch und den Beilagen hat. Bei Ausnahmen freue ich mich natürlich wie ein Schnitzel, es sei mir gestattet das Sprichwort hier in diesem Zusammenhang zu benutzen 🙂

Foto: SAMsationen

Foto: SAMsationen

Foto: SAMsationen

Dessert bin ich ein absolutes Schleckermaul, komme da aber wirklich an meine Grenzen. Voll mit Kuhmilch und Sahne und natürlich Gelatine im Tortenguss. Ich will da jetzt niemanden einen Vorwurf machen, aber aus der Sicht eines Vegetariers schon schwierig, von Veganern noch gar nicht zu sprechen. Am wohlsten fühle ich mich, wenn ich Sorbet rein aus Früchten haben kann und viele tolle frische Früchte dazu – da kann keine Torte mithalten. Meine persönliche Meinung!

Ach ja Torte – die Hochzeitstorte ist eigentlich nie vegan 🙂 Und als Mitternachtssnack habe ich bisher nur drei Varianten erlebt:

  • Curry-Wurst

  • Gulaschsuppe

  • Käse-Platte

  • keine weiteren Worte dazu….

Die Wahl des Menüs hängt immer sehr stark von den Gewohnheiten des Brautpaares ab, das ist irgendwo ja auch verständlich. Ich finde es schon sehr lieb von unseren Kunden, dass wir immer gefragt werden ob wir besondere Essgewohnheiten haben. Das zeigt, dass das Thema Veganismus und Co. schon irgendwie in den Köpfen der Leute angekommen ist. Und selbst wenn das Menü mal so gar nichts für uns bereit hält, dürfen wir uns sogar ein Gericht von der Karte bestellen. Oft essen wir der Einfachheit dann einfach nur die Beilagen – die sind auch oft total lecker und machen es der Küche einfacher.

Bayern ist ein Land, in dem traditionell viel Fleisch gegessen wird. Hendl und Schweinshaxn gehören für viele genauso wie das Bier schon fast zum Kulturgut… Diese Lust zum Fleisch erleben wir auch immer wieder auf Hochzeiten oder auch Geburtstagen, auf denen wir arbeiten. Missionieren kann man hier niemanden, man kann es ihnen nur vorleben. Und mittlerweile werden wir oft gefragt, warum und wie wir uns eigentlich ernähren und wie wir damit zu Recht kommen. Manchmal mit mehr Verständnis, manchmal mit weniger…

Übrigens, dass wirklich abgefahrenste in Sachen Fleisch und Hochzeitsmenü was wir erlebt haben, war ein frisch gegrilltes Spanferkel am Spieß. Das übrigens auch im Stück aufgebaut war und zum Menü zerlegt wurde. Daher wir hier auf einem veganen Blog schreiben, posten wir kein Bild dazu. Wen es trotzdem interessiert kann ja mal auf meinem Facebook-Account „SAMsation-Tanz“ durch die Fotos scrollen…

 

Vegan in München

Die Münchner Gastro-Szene ist unglaublich vielfältig und hält für jeden Geschmack und Vorlieben Alternativen bereit. Wir versuchen zu Hause viel selbst zu kochen, gehen aber auch genauso gerne auswärts lecker essen.

Neben sehr guten Italienern wo man hervorragende Pasta und Antipasti bekommt, über Inder und asiatische Restaurants gibt es auch eine ganze Reihe veganer Restaurants. Das Prinz Myshkin als vegetarisches/veganes Restaurant ist eine absolute Institution und auch das Tian mit gehobener veganen Küche ist eine ausgesprochen interessante Adresse. Viele asistische Restaurants bieten einen mongolischen Grill an, auf dem man sich selbst zusammengestellte vegane Kompositionen zubereiten lassen kann – Nachteil: die gleiche Kochplatte (weil wie ein heißer Stein funktionierend) wird auch für Fleisch und Fisch benutzt. In den verschiedenen Sushi-Restaurants kann man sich auch hervorragend vegan ernähren, wenn man Fisch ebenfalls ablehnt. Unser Lieblingsrestaurant an der Münchner Freiheit hält auf dem Band immer Miso-Suppe mit Tofu bereit, Gemüse-Sushi, vegane Warmspeisen und immer wieder die ein oder andere Überraschung.

Auch hier gilt wieder: vegetarische Alternativen gibt es eigentlich in jedem Restaurant, wenn man jetzt nicht gerade zum Griechen geht (es sei denn man hält sich an die Vorspeisen) oder in ein traditionelles bayerisches Wirtshaus (da sind meisten Käsespätzle oder Camenbert die Alternativen zu Fleisch und Co.). Bei Vegan würden wir eher empfehlen auch in entsprechend ausgewiesene Restaurants zu gehen. Dann hat man nur noch die Qual der Wahl, was man bestellt und nicht mehr was man bestellen kann.“

 

Alex und Sam von SAMsationen

 

Vielen lieben Dank an Sam und Alex für diesen Einblick. Kleine Ergänzung von mir: Ich habe sogar schon einmal Leberkäse-Torte als Mitternachts-Snack auf einer Hochzeit vorgesetzt bekommen…

Kennt Ihr das Drama mit der Verpflegung bei solchen Festen auch? Ich freue mich über Eure Erfahrungen und Anekdoten dazu in den Kommentaren.

Auch mal Gastblogger sein?

Übrigens freue ich mich über jeden weiteren Blogger, der Lust hat einen Gastbeitrag bei mir zu veröffentlichen. Schick mir gerne einfach eine Email mit deinem Themenvorschlag an mail@vegtastisch.de oder kommentier diesen Artikel, dann melde ich mich.

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Vegtastische Grüße!

Sabrina

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Ich heiße Sabrina und lebe in einem Häuschen bei Neu-Ulm in Bayern. Seit 2016 bin ich Mama eines kleines Bubs. Ich liebe es zu reisen - mit dem Rad, dem Auto, der Bahn. Ich schreibe über die verschiedensten Themen und versuche dabei das Thema Nachhaltigkeit immer im Fokus zu haben.
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