POCKET Kolumne im Juni „Nachhaltig Reisen“

Nachhaltig reisen – Keine Einschränkung der Reiselust

Sicherlich läuft es vielen Menschen eiskalt den Rücken herunter, wenn es um das Thema nachhaltiges Reisen geht. Horrorvorstellungen vom langweiligen Familienurlaub in Buxtehude statt 5-Sterne-Luxus in der Karibik machen sich breit. Doch das ist nicht, was Nachhaltigkeit in Sachen Urlaub bedeuten muss.

Sicherlich sollte man überlegen, ob man sein Urlaubsziel beispielsweise innerhalb Europas oder gar in Deutschland in diesem Jahr vielleicht mit dem Zug erreicht statt mit dem Flugzeug. Die Umweltbelastung, die man als Tourist verursacht würde hierdurch deutlich sinken, schließlich hat das Flugzeug von allen Verkehrsmitteln mit Abstand die schlechteste Klimabilanz. Mit dem Flugzeug von München nach Los Angeles und zurück richtet ein Flugreisender so viel Klimaschaden an wie er es mit dem Auto durchschnittlich in 5 Jahren schaffen würde. Der Ferntourismus steht seit vielen Jahren in der Kritik. Doch was, wenn man auf das Entdecken exotischer ferner Länder nicht verzichten möchte?

Ein Schritt in die richtige Richtung besteht in rücksichtsvollem und sanftem Tourismus unanhängig vom Reiseziel. Als Tourist sollte man sich immer als Gast verhalten und so wenig Müll und Umweltbelastung als möglich verursachen.

Wenn es denn schon unvermeidbar war das Reiseziel mit dem Flugzeug zu erreichen, sollte man doch zumindest vor Ort einige Dinge beachten. Urlaubsaktivitäten sollten sich beispielsweise den Gegebenheiten vor Ort anpassen. Eine Skihalle in Dubai? Ein bewässerter Golfplatz mitten in der trockenen Wüste? Motocross-Touren durch den Regenwald? Sicherlich nicht.

Ebenso sollte das Verhältnis von Reisedauer zum Reiseaufwand stehen. Ein Wochenendtrip nach Mallorca oder eine Woche Karibik verspricht zwar eine schöne Auszeit, geht aber stark zu Lasten der Umwelt.



Sanfter Tourismus bedeutet auch, sich als Tourist mit dem Land, den Leuten und der Kultur im Urlaubsland auseinanderzusetzen. Ebenso wie mit den wirtschaftlichen Gegebenheiten des Landes. Nur wenigen Urlaubern ist klar, dass günstige All-inclusive-Angebote für das Gastgeberland in Wirklichkeit wenig gewinnbringend und oftmals sogar schädlich sind. Die einheimische Bevölkerung, wie beispielsweise Restaurantbesitzer wird zu einem großen Teil von den Einnahmen, die der Tourismus einbringen soll abgeschnitten. Die lokale Bevölkerung sollte jedoch in einem hohen Maß vom Tourismus im eigenen Land profitieren. Dies geht nur, wenn Reisende Restaurants, Cafes und Geschäfte auch außerhalb ihrer Ferienanlage nutzen – und damit sind nicht Touristenattraktionen wie das Reiten auf Elefanten gemeint.

Reisen in Länder, in denen Touristen von Unternehmungen außerhalb ihrer Ferienanlage aufgrund der Sicherheitslage abgeraten wird, sollten von vornherein bei der Urlaubsplanung ausgeschlossen werden – nicht nur um der eigenen Sicherheit Willen.

Im Hotel wird man als Tourist oft rundum versorgt. Täglich wird das Zimmer gereinigt und es gibt frische Handtücher. Dabei ist das oftmals gar nicht nötig. Zuhause wechseln wir schließlich auch nicht täglich unsere Bettlaken und Handtücher. Es spricht also absolut nichts dagegen auch im Urlaub ein paar Tage mit ein bis zwei Handtüchern auszukommen.

In vielen Ländern wird leider nicht auf Mülltrennung geachtet und es gibt Getränke fast ausschließlich in Plastikflaschen oder Dosen ohne Pfand. Dies ist aber kein Freischein seinen Müll arglos in der Natur abzuladen.

Nachhaltiger Tourismus sollte eine Herausforderung sein für alle Reisenden um bewusster und trotzdem erlebnisreich zu reisen. Angebote für nachhaltiges Reisen, sogenannte umwelt- und sozialverträgliche Fremdenverkehrskonzepte gibt es mittlerweile jedenfalls viele. Vor allem in Europa ist das Angebot bereits deutlich größer als in den meisten Fernreisedomizilen. Trotzdem wächst auch dort das Angebot stetig. Alternativ-Anbieter verzeichnen steigende Buchungszahlen. Durch die Einführung überprüfbarer Kriterien und bestimmter Gütesiegel sind solche Reiseangebote für Urlauber leicht zu erkennen. Vom zertifizierten Bauernhof bis hin zu Einrichtungen mit bio-dynamischem Hintergrund – die Auswahl ist groß und für jede Art von Reisevorliebe lässt sich das passende Angebot finden. Es gibt auch nach ökologischen Kriterien geführte Campingplätze. Diese achten auf Mülltrennung, energiesparende Elektrogeräte und umweltfreundliche Reinigungsmittel. Informationen bieten diverse Internetdatenbanken: eco-tour.org / demeter-reisen.de / stattreisen.de / vertraeglich-reisen.de

Eine weitere tolle Möglichkeit für den nächsten Urlaub könnte ein Aufenthalt in einem Umweltcamp sein. Auf ehrenamtlicher Basis hilft man als Urlauber hier beispielsweise bei diversen Naturschutzprojekten verschiedener Organisationen. Oft sind die Unterkunft und Verpflegung während des Aufenthaltes im Gegenzug kostenfrei. Angebote dieser Art gibt es sogar für Familien mit Kindern, so dass jeder ein bisschen mit anpacken kann und einen unvergesslichen Urlaub in der Natur erlebt. Weitere Informationen und Buchung zum Beispiel bei bergwaldprojekt.de oder biosphere-expeditions.org, service.bund-naturschutz.de.

Wer Veganer oder Vegetarier ist oder im Urlaub die vegan/vegetarische Lebensweise testen möchte ist in einem der zahlreichen Veggie-Hotels weltweit sicherlich gut aufgehoben: veggie-hotels.de. Meistens bekommt man hier Biokost und kann zusätzlich Yoga- oder Pilatesstunden nehmen. Die perfekte Auszeit für gestresste Büromenschen.

Egal wo es Euch im nächsten Urlaub hin zieht. Schaltet Euer Hirn ein und überlegt, bei welchen Punkten Ihr rücksichtsvoller reisen könnt als bisher.

Dieser Artikel erschien in ähnlicher Form im POCKET MAGAZIN ULM im Juni 2015.

Vegtastische Grüße!

Sabrina

Vegtastisch

Vegtastisch

Ich heiße Sabrina und lebe in einem Häuschen bei Neu-Ulm in Bayern. Seit 2016 bin ich Mama eines kleines Bubs. Ich liebe es zu reisen - mit dem Rad, dem Auto, der Bahn. Ich schreibe über die verschiedensten Themen und versuche dabei das Thema Nachhaltigkeit immer im Fokus zu haben.
Vegtastisch

2 thoughts on “POCKET Kolumne im Juni „Nachhaltig Reisen“

  1. Pingback: Kolumne im POCKET Magazin: “Vegan in Ulm” | vegtastisch.de

  2. Pingback: Minimalismus als Form der Nachhaltigkeit - vegtastisch.devegtastisch.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*