Gastartikel: Fleischlos in der Karibik – Claro que sí! [klar geht das!]

Vor meiner Abreise habe ich häufig Sachen zu hören bekommen wie: Und was isst du dann da? Willst du nicht vielleicht doch wieder anfangen, Fleisch zu essen? Nur Gemüse… Das kannst du doch nicht durchziehen! Die essen bestimmt gerne Fleisch in der Dominikanischen Republik. Du kannst dich doch nicht ein Jahr lang von Reis und Bohnen ernähren!

Zunächst mal… doch, kann ich! Denn beides schmeckt hier wirklich vorzüglich, vor allem in Kombination! Wer also bisher dachte, in der Karibik bzw. in der Dominikanischen Republik gäbe es Unmengen an Reis und Bohnen, der liegt erstmal gar nicht so falsch. Aber, was man sich ergänzend dazu unbedingt merken sollte, ist: Es gibt noch SO VIEL MEHR.

Foto: Sandra Bolesch

Foto: Sandra Bolesch

Das fängt bereits bei den Soßen an. Jeder scheint hier seine eigene, geheime Gewürzmischung mit einfließen zu lassen, sodass kein Reisgericht dem andern gleicht. Es scheint fast, als handele es sich um komplett verschiedene Menüs. Selbst das Salatdressing kommt mir exotisch vor. Statt Joghurt oder dem Klassiker Essig/Öl wird hier häufig Zitronen- oder Orangensaft verwendet. Dazu gesellt sich noch etwas Olivenöl – der Rest ist mir bislang ein Rätsel.

Komplettiert wird der Salat mit einer reifen Avocado. Avocados wachsen übrigens auf Bäumen, die ganz schön hoch werden können. Woher ich das weiß? Mir wäre eben um ein Haar eine auf den Kopf gefallen! Jedenfalls ist mein Mittagsessen nun gesichert. Noch ein paar letzte Worte zu Avocados: Wenn ihr eine Reise in die Dominikanische Republik unternehmen wollt – kauf sie euch! Unbedingt. Gibt es in jedem Supermarkt, selbst bei den kleinen an der Straßenecke (Colmados genannt). Immer frisch, immer preiswert, immer lecker. Oder geht auf Wandertour und pflückt euch selber welche (Achtung Kopf).

Grafik: Google Maps

Ich lebe mittlerweile seit einem Monat hier. Nicht etwa am Strand, sondern mitten im Herzen der Karibik, in den grünen Bergen von Jarabacoa. Weitere 11 Monate liegen vor mir. In dieser Zeit werde ich arbeiten, Zumba tanzen, und vor allem noch ein gutes Stück tiefer in die Welt der dominikanischen Spezialitäten eintauchen. Nichtsdestotrotz habe ich bereits in den letzten Wochen zahlreiche neue, mir bisher unbekannte Gerichte kennengelernt, die ich euch nicht vorenthalten möchte. Alle davon sind vegetarisch, viele sogar vegan. Im Anschluss findet ihr kleine Steckbriefe zu meinen drei liebsten und leckersten Entdeckungen.

Berenjena Asada [Gebackenes Auberginen-Mus]

Foto: Sandra Bolesch

Selten hat mich ein Gericht so überrascht. Es handelt sich um ein unfassbar unscheinbar aussehendes Mus, das oft zu Reis und Bohnen gereicht wird. Es hat eine gräulich bis braune Färbung und sieht auf den ersten Blick alles andere als schmackhaft aus. Auch auf den zweiten Blick fällt es schwer, sich mit dem Häufchen anzufreunden. Den größten Fehler, den ihr an dieser Stelle jedoch begehen könnt, ist, Euch von Eurer Skepsis leiten zu lassen und die Gabel aus der Hand zu legen.

Tut das nicht, seid mutig! Glaubt mir, ihr würdet einiges verpassen. Macht die Augen meinetwegen zu bei der ersten Gabel. Was euch dann erwartet, ist eine regelrechte Geschmacksexplosion. Wenn ihr mich fragt, könnte die Berenjena Asada auch locker als Hauptspeise durchgehen, so würzig-deftig wie sie schmeckt. Erst im Nachhinein hab ich aufgeschnappt, dass das Gericht tatsächlich carne de la pobre (das Arme-Leute-Fleisch) genannt wird. Arm hab ich mich allerdings nicht gefühlt, eher bereichert. Wie es nun genau schmeckt, kann ich nicht beschreiben, das müsst ihr selbst erleben. Es geht ein bisschen in Richtung Bolognese-Sauce – nur besser.

Wer es gleich hier und jetzt probieren will, kann gerne auf folgender Seite vorbeischauen. Dort gibt es alle möglichen typisch dominikanischen Rezepte – auf Englisch und Spanisch. Die dort beschriebene Variante der Berenjena Asada ist mit Ei, also vegetarisch, nicht vegan. Lässt sich aber leicht abwandeln.

Lechoza [Papaya]

Die beste Antwort auf den kleinen Hunger zwischendurch: Eine schöne frische Papaya. Zugegeben, in Deutschland hab ich bisher glaub ich zweimal Papaya gegessen – und war beide Male eher minder beeindruckt. Wässrig und irgendwie nach nichts schmeckend. Hier ist das anders. Zunächst mal kommen sie in allen Größen und Formen daher.

Foto: Sandra Bolesch

Von weitem betrachtet wirken sie, locker unter dem Arm oder auf der Schulter transportiert, wie ein Überbleibsel aus der Steinzeit.

Wie auch Avocados gibt es sie wirklich in jedem Colmado, in jedem Supermarkt und auch bei jedem noch so kleinen Einzelhändler. Einmal in der Mitte der Länge nach aufschneiden, die schwarzen Kerne rausmachen und schon kann losgelöffelt werden. Den Geschmack kann ich mit den in Deutschland erhältlichen Papayas gar nicht vergleichen. Vermutlich, weil ich in Deutschland nie einen Geschmack wahrgenommen habe.

Hier hingegen schon! Sie sind angenehm süß und von der Konsistenz her, je nach Reifegrad, ähnlich wie eine Honigmelone. Im Büro meiner Mitfreiwilligen und mir hat es sich zum Standard-Mittagssnack etabliert. Kein Tag ohne Lechoza! Die steinzeitkeulenförmigen Monsterchen gibt es umgerechnet für ca. 1,30€, die normalgroßen ab ca. 0,90€. Lohnt sich! P.S.: Wenn man es – so wie ich auf dem Foto – so richtig übertreiben will mit dem Vitamin C, kann man die Lechoza auch noch mit Banane und Passionsfrucht füllen… 100% vegan

Mangú [Püree aus Kochbananen]

Zu guter Letzt präsentiere ich euch die dominikanische Antwort auf deutsches Kartoffelpüree: Mangú. Das erste Mal, als mir Mangú vorgesetzt wurde und ich fragte, was das sei, war ich mal wieder ziemlich irritiert: Wie sollen denn bitte Rührei, Käse und Bananenpüree zusammen passen? Deftig mit süß? Und dann noch Zwiebeln auf dem vermeintlichen Püree? Äußerst bizarr. Was man hier jedoch relativ schnell lernt, ist: Banane ist nicht gleich Banane. Und sie nennt sich auch nicht Banane. Man unterscheidet hier zwischen zwei Sorten: Plátanos und Guineos. Letzteres ist die Bezeichnung für die Bananensorte, die man in Deutschland kaurfen kann. Naja, genau genommen sind die Guineos häufig ein wenig kleiner, aber dafür süßer und geschmacksintensiver. Plátanos hingegen sind nicht süß. Im Prinzip handelt es sich um grüne Bananen, die wir im ersten Moment als noch nicht reif abstemplen würden. Es handelt sich aber nicht etwa um eine unreife Guineo, sondern um eine komplett andere Bananensorte, die geschmacklich eher in Richtung Gemüse geht. Und genau so wird sie auch behandelt: Geschält, in Salzwasser gekocht und anschließend zerstampft. Garniert mit ein paar Zwiebeln der ideale Energiespender und ein ordentliches Mittagessen. 100% vegan. Dazu gibt es häufig Rührei und manchmal sogar frittierten Feta-Käse. Generell kann sich das aber jeder zusammenstellen wie er mag.

Wer jetzt schon richtig im Karibik-Fieber ist und Lust auf mehr hat, kann sehr gerne auf meinem Blog „Auf und nach Dom“ vorbeischauen, wo ich von meinen Kulturschocks, diversen Fehltritten und zum Thema Umweltschutz informiere. Eure Sandra

Foto: Sandra Bolesch


Ich bedanke mich herzlich für diesen coolen Gastartikel bei Sandra und schicke ganz viele Grüße in die Dominikanische Republik.

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Sabrina

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Ich heiße Sabrina und lebe in einem Häuschen bei Neu-Ulm in Bayern. Seit 2016 bin ich Mama eines kleines Bubs. Ich liebe es zu reisen - mit dem Rad, dem Auto, der Bahn. Ich schreibe über die verschiedensten Themen und versuche dabei das Thema Nachhaltigkeit immer im Fokus zu haben.
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